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Der Soldat und sein Ranzen
Ralf am 30.08.2008 11:32:59


Ein Soldat hatte seinen Dienst beendet, ging nun seines Weges und dachte bei sich: »Nun hab ich dem Zaren fünfundzwanzig Jahre gedient, aber nicht einmal fünfundzwanzig Rüben als Lohn dafür erhalten, und auf dem Ärmel hab ich nicht eine einzige Tresse!« Da erblickte er einen alten Mann, der ihm entgegenkam. Als der Alte herangekommen war, fragte er: »Worüber grübelst du, Soldat?« – »Ich muss daran denken, dass ich dem Zaren fünfundzwanzig Jahre gedient und nicht einmal fünfundzwanzig Rüben als Lohn erhalten und nicht eine einzige Tresse auf dem Ärmel hab!« – »Was brauchst du denn also?« – »Wenn ich doch wenigstens lernen könnte, alle im Kartenspiel zu übertreffen, und außerdem sollte mich niemand beleidigen dürfen.« – »Gut, ich geb dir Karten und einen Ranzen: niemand wird dir im Spiel etwas abgewinnen, und niemand wird dich beleidigen.«

Der Soldat erhielt vom Alten die Karten und den Ranzen und ging weiter. Er kam in ein Dorf und bat um ein Nachtlager. Da sagten die Leute zu ihm: »Bei uns ist es freilich eng, aber dort in jenem neuen Hause kannst du nicht übernachten.« – »Warum denn nicht?« – »Ja, es geht eben nicht.« – »Wollt ihr mich in das Haus lassen?« – »Geh nur hinein.« Der Soldat kaufte sich eine Kerze und eine Flasche Schnaps, ging in das Haus hinein und machte sich's bequem. Er saß da und mischte seine Karten, trank ein Gläschen und legte die Karten aus. Um Mitternacht öffnete sich plötzlich die Tür, und ein Teufelchen nach dem andern kroch in das Zimmer. Eine Unmenge von ihnen fand sich da zusammen, und darauf begannen sie zu tanzen. Der Soldat schaute zu und verwunderte sich sehr. Ein Teufelchen jedoch sprang zum Soldaten heran und schlug ihm mit dem Schwanz auf die Backe. Der Soldat stand auf und fragte: »Was fällt dir ein? Soll das Scherz oder Ernst sein?« – »Schöne Scherze!« meinte das Teufelchen. Da schrie jedoch der Soldat: »Marsch, in den Ranzen!« Und alle Teufelchen krochen in den Ranzen, nicht einer blieb übrig.

Am Morgen sah der Soldat die Wirtsleute vom Hause einen Sarg herantragen. Sie kamen ins Zimmer, und der Hauswirt sagte dabei: »Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.« – »Amen!« gab ihm der Soldat zurück. »Ja, lebst du denn noch?« fragten sie ihn. »Wie ihr seht!« Der Soldat gefiel den Wirtsleuten so gut, dass sie ihn bei sich wohnen ließen und ihn mit ihrer Tochter verheirateten. Und der Soldat lebte fortan als ein reicher Mann und mit seiner Frau in Eintracht. Nach einem Jahre ward ihm eine Tochter geboren. Das Kind musste getauft werden, aber sie hatten keine Taufmutter gefunden, denn niemand wollte zum Soldaten kommen. Da ging er hinaus auf die Landstraße und dachte bei sich: »Das Weib, das mir zuerst begegnet, soll die Taufmutter sein.« Kaum hatte er das gedacht, als er ein altes Weib auf sich zukommen sah, das war so dürr, so dürr, nichts als Haut und Knochen! Der Soldat sprach zu ihm: »Großmütterchen, mir ist eine Tochter geboren, aber niemand will zur Taufe kommen.« – »Nun, dann will ich Taufmutter sein, geht nur in die Kirche, ich komme gleich nach.« Der Soldat brachte das Kind in die Kirche; die Gevatterin kam, nahm von der Schulter die Sense und legte sie bei der Schwelle nieder. Als aber das Kind getauft war, nahm sie die Sense wieder auf und ging fort. Der Soldat rief ihr nach: »Gevatterin! Geh hinein und wünsch deiner Tauftochter Glück!« – »Gut, geht nur voran und macht alles bereit, ich komme gleich nach.«

Der Soldat ging nach Hause und rüstete alles zu, und bald kam auch die Gevatterin. Wiederum nahm sie ihre Sense von der Schulter und legte sie bei der Schwelle nieder, dann setzte sie sich an den Tisch. Als man mit dem Essen fertig war, stand die Gevatterin auf und sagte: »Gevatter, führ mich hinaus!« Der Soldat zog sich an und ging mit ihr. Sie traten auf den Flur hinaus, und dann sprach sie: »Gevatter, willst du zaubern lernen?« – »Wie sollt ich das nicht wollen?« – »Weißt du aber auch, wer ich bin? Der Tod bin ich. Wenn man dich zu einem Kranken ruft und du siehst, dass ich ihm zu Häupten stehe, so unterfange dich nicht, ihn zu heilen, steh ich aber ihm zu Füßen, so nimm's auf dich; besprenge nur den Kranken ein einziges Mal mit kaltem Wasser, und er wird gesund werden. Leb wohl!«

In diesem Jahr gab es in dem Dorf so viele, die an allerlei Krankheiten litten, dass unser Soldat, der als ein Zauberer galt, kaum Zeit fand, aus einem Haus in das andere zu gehn und alle Kranken zu heilen. Da geschah es, dass der Zar krank wurde; der Ruf aber davon, dass der Soldat gut heilen könne, war schon durch das ganze Reich gedrungen. Daher rief man ihn nun zum Zaren. Der Soldat trat beim Zaren ein, schaute hin und sah die Gevatterin zu Häupten stehn. »Die Sache steht schlimm!« sagte der Soldat. Allein er ließ eine Bank bringen und den Zaren darauflegen. Als das geschehen war, ließ der Soldat die Bank mitsamt dem Zaren drehen, die Gevatterin aber lief im Kreise herum und mühte sich, zu Häupten des Zaren zu bleiben, und rannte so lange, bis sie müde wurde und stehen blieb. Da kehrte der Soldat den Zaren mit den Füßen zu ihr, besprengte ihn mit Wasser, und der Zar ward gesund.

Der Tod ging fort, der Soldat aber hinter ihm her, packte ihn und sagte: »Du entkommst mir nicht!« – »Ach, Gevatter, Gevatter, ich hab dir doch gesagt: wenn ich zu Häupten stehe, so unterfang dich nicht, zu heilen, du hast aber nach deinem eigenen Kopf gehandelt. Na, ich will dir das noch heimzahlen!« – »Sagst du das im Scherz oder im Ernst, Gevatterin?« – »Wie sollten das Scherze sein!« – »Dann marsch in den Ranzen!« rief er, und der Tod kroch in den Ranzen hinein. Der Soldat ging heim und warf den Ranzen auf den Dachboden.

Nach einem Jahr kam Mikola1, der Barmherzige zum Soldaten und sprach zu ihm: »Soldat, lass den Tod frei! So viele alte Leute gibt es auf der Erde, die bitten um ihren Tod, und er ist nicht da.« – »Mag er noch zwei Jahre liegen bleiben, dann lass ich ihn frei«, antwortete der Soldat. Darauf vergingen zwei Jahre. Der Soldat ließ den Tod frei und fragte: »Wie hat's dir, Gevatterin, im Ranzen gefallen?« – »Na, Gevatter, du selbst wirst noch einst um den Tod bitten, aber ich werde nicht zu dir kommen.« – »Mach dir meinetwegen keine Sorgen, Gevatterin, ich gelang auch allein in die andere Welt!«

Nun lebte der Soldat glücklich und zufrieden; er bog die Karte und trank seinen Schnaps; Frau und Tochter waren ihm schon gestorben, er selbst aber lebte immer noch. Einmal, als er gerade in einem Hause Karten spielte, hörte er, dass bald der Antichrist kommen werde und die Menschen peinigen wolle. Der Soldat erschrak und wanderte in die andere Welt. Er ging und ging und ging und gelangte endlich zu einer Treppe, die reichte hinauf bis zum Himmel; dort setzte er sich nieder und ruhte sich aus. Und als er frische Kräfte gesammelt hatte, kletterte er die Treppe empor. Er stieg und stieg und stieg und kam richtig im Paradiese an. Doch vor den Türen des Paradieses standen die Apostel Petrus und Paulus. Der Soldat sprach zu ihnen: »Ihr heiligen Apostel Petrus und Paulus, lasst mich ein ins Paradies!« – »Wer bist du denn?« fragten sie ihn. »Ich bin der Soldat.« – »Nein, dich lassen wir nicht ins Paradies, du hast selbst darauf verzichtet. Geh dorthin, das ist für dich das Paradies!« Und sie wiesen ihm die Hölle. Der Soldat ging zur Hölle; vor der Hölle aber standen zwei Teufelchen. Da sprach der Soldat zu ihnen: »Die heiligen Apostel Petrus und Paulus haben mich nicht in das Paradies hineingelassen; wollt ihr mich wohl in die Hölle aufnehmen?« – »Geh nur«, sagten die Teufelchen und ließen ihn durch in die Hölle.

Als der Soldat in die Hölle kam, gab man ihm dort ein besonderes Zimmer. Er schnitt sich spitzige Stöckchen zurecht, schlug sie in die Wand, hängte seine Ausrüstung auf und legte sich zur Ruh. Und als er sich erholt hatte, suchte er sich dicke Stöcke und machte aus ihnen Flinten; dann fing er sich etliche von den Teufeln, stellte aus ihnen eine Kompanie zusammen und begann, sie die Kriegskunst zu lehren. Sobald sich aber einer von den Teufeln faul anstellte, prügelte er ihn mit dem Stock und gab ihm eins ins Genick, sodass bald alle Teufel in der Hölle krumm und lahm geschlagen waren.

Es kam dem Satan zu Ohren, dass der Soldat, der eigentlich ins Paradies gehörte, bei ihm in der Hölle lebte, und da wollte er dessen Seele in seine Gewalt bringen. Er ging zum Soldaten und sagte zu ihm: »Lass uns Karten spielen!« – »Gut!« erwiderte der Soldat. »Aber nur unter dieser Bedingung«, verlangte Satan: »wenn ich gewinne, so bist du mein, gewinnst du, so geb ich dir eine sündige Seele.« Der Soldat war einverstanden, und sie setzten sich zum Spiel hin. Sie spielten und spielten, und stets gewann der Soldat. »Nein«, sagte endlich der Satan, »länger spiel ich nicht mit dir, du gewinnst mir sonst noch alle Seelen ab.«

Nun hatten auch die Teufel erfahren, dass das derselbe Soldat sei, bei dem sie im Ranzen gesessen hatten, und sie beschlossen, ihn aus der Hölle zu verjagen. Sie hinterbrachten dem Satan, dass jener die Teufel quäle und keinen mit seinem Soldatendrill in Ruhe lasse, und da gab Satan den Befehl, ihn sogleich aus der Hölle fortzujagen. Die Teufel umringten das Zimmer des Soldaten und verkündeten ihm den Befehl Satans. Da war nichts zu machen. Der Soldat nahm seine Ausrüstung und zwei gewonnene Seelen mit, das waren aber die Seelen seiner Frau und seiner Tochter, und ging hinaus. Als er jedoch sein Zimmer verließ, sah er alle Teufel in Reihen ausgerichtet stehn, die Musik fing an zu spielen, und die Teufel schossen ihre Flinten ab. »Ach, ihr Satansgezücht! Froh sind sie, dass ich gehe.« Und er schimpfte sie alle mächtig aus.

Nun kam er wieder zum Paradiese und sprach: »Ihr heiligen Apostel Petrus und Paulus, lasst mich ins Paradies!« – »Du hast ja selbst darauf verzichtet«, sagten sie zu ihm, »geh in die Hölle.« – »Ich war ja schon dort!« – »Dann geh noch einmal hin.« – »Lasst aber wenigstens diese zwei sündigen Seelen durch.« – »Na, mögen die hinein«, sagten die Apostel und öffneten die Tür. Da ließ der Soldat die Seele seiner Frau voran, selbst aber stellte er sich hinter sie, und zuletzt kam die Seele seiner Tochter. So gelangten sie alle drei in das Paradies. Und sie leben dort bis heute glücklich und zufrieden und kennen weder Not noch Kummer.



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