Startseite · Spendenbedarf · Spendenkonten · Berichte · Bilder · BLOG · Forum · Links · SIBIRIEN26.04.2018 04:02:12
Navigation
Jahresberichte
Flyer 2008
Wer wir sind
Spendenbedarf
Helfen, aber wie
Spendenkonten
Kontaktformular

Aktuelles
Berichte
Bilder
Birkenrindendosen
Für Sie notiert
BLOG
Forum
Historie
Links
SIBIRIEN

Downloads
Hinweise (FAQ)
Suche


Impressum
<= beryosa.net

Letzer Artikel
Unsere Dörfler beric...
"Istok"-Berichte 2009
2. und 5. Klasse der...
Peter Marti: Kirchen...
Peter Marti: Besuch ...
Iwan Kuhsohn
Ralf am 30.08.2008 11:17:43


Irgendwo in einem Zarenreich, in einem fernen Reich, lebte einst ein König mit seiner Königin. Sie hatten keine Kinder, aber waren doch schon an die zehn Jahre verheiratet. Da sandte der König an alle Zaren, in alle Städte, zu allen Völkern, allen geringen Leuten die Botschaft: »Wer vermag die Königin zu heilen, auf dass sie schwanger werde?« Die Fürsten und Bojaren kamen zusammen, reiche Kaufleute und Bauern; der König speiste sie, bis sie satt waren, tränkte sie, bis sie trunken waren, und begann sie dann auszufragen. Niemand weiß ein Mittel, niemand wagt zu sagen, wodurch die Königin schwanger werden könne; nur ein Bauernsohn fand den Mut. Der König gab ihm eine ganze Handvoll Goldstücke und bestimmte als Frist drei Tage. Der Bauernsohn hatte sich zwar gemeldet, aber was er sagen sollte, das war ihm nicht einmal im Traum eingefallen; er ging zur Stadt hinaus und dachte gewaltig nach. Da begegnete ihm ein altes Mütterchen und fragte: »Sag an, Bauernsohn, worüber grübelst du?« Er antwortete: »Schweig, alte Hutzel, ärgere mich nicht!« Sie lief ihm aber nach, vertrat ihm den Weg und sagte: »Vertrau mir nur an, welche Sorge dich drückt: Ich bin alt geworden, weiß alles.« Da besann er sich: Wozu hab ich sie beschimpft? Vielleicht weiß sie doch etwas. »Hör einmal, Großmütterchen, ich hab dem König versprochen zu sagen, wodurch die Königin schwanger werden könne, aber weiß es selber nicht.« – »So, so! Ich weiß es aber. Geh zum König und sag ihm, dass man drei seidene Netze flechten solle; im Meer, unter dem Schlossfenster, da wohnt ein Hecht mit goldenen Flossen und schwimmt immer vor dem Palast herum. Wenn der König ihn fängt und zubereiten lässt, und die Königin ihn isst, so wird sie ein Kind gebären.« Der Bauernsohn fuhr selber zum Fang auf das Meer, warf drei seidene Netze aus, aber der Hecht sprang in die Höh und zerriss alle drei Netze. Ein zweites Mal warf er aus, und wieder zerrissen sie. Der Bauernsohn nahm seinen Gürtel ab und vom Hals das seidene Tuch, band die Netze zusammen, warf sie ein drittes Mal aus – und fing den Hecht mit den goldenen Flossen. Da ward er unsagbar froh und brachte ihn dem König. Der König befahl, den Hecht zu waschen, auszunehmen, zu braten und der Königin vorzusetzen. Die Köche reinigten den Hecht und wuschen ihn und gossen das Spülwasser zum Fenster hinaus; eine Kuh kam vorbei und leckte es auf. Als die Köche den Hecht gebraten hatten, eilte die Dienstmagd-Schwarzhaar hinzu, legte ihn auf eine Schüssel und trug ihn zur Königin, aber unterwegs kostete sie davon. Alle drei brachten am gleichen Tage, zu gleicher Stunde ein Kind zur Welt: die Kuh, die Dienstmagd und die Königin.

Rasch wird das Märchen erzählt, langsam die Tat getan. Nach einiger Zeit kam die Viehmagd vom Viehhof und meldete dem König, dass die Kuh einen Menschen geboren habe. Der König wunderte sich sehr darüber; kaum hatte er diese Nachricht gehört, als man gelaufen kam und ihm erzählte, dass die Dienstmagd-Schwarzhaar einen Knaben geboren habe, der genau wie der Sohn der Kuh aussähe. Und gleich darauf wurde ihm berichtet, dass auch die Königin einen Sohn geboren habe, der dem Kuhsohn auf das Haar gleiche. Wunderbare Knaben waren da geboren! Wie einer in Jahren wächst, wachsen sie in Stunden; wie einer in einem Jahr, sind sie in einer Stunde; wie einer in drei Jahren, sind sie in drei Stunden. Als sie herangewachsen waren, fühlten sie eine ungeheure Heldenkraft in sich. Sie gingen zu ihrem Vater, dem König, und baten sich aus, in der Stadt spazieren zu dürfen, die Leute zu betrachten und sich selbst zu zeigen. Er erlaubte es, befahl ihnen, sich still und ruhig zu benehmen, und gab ihnen Geld mit, soviel sie nur tragen konnten. Da gingen die kühnen Burschen fort. Der eine wurde Iwan-Zarewitsch genannt, der andere Iwan-Magdsohn, der dritte Sturmheld Iwan-Kuhsohn. Sie schlenderten hin und her, kauften aber nichts. Da erblickte Iwan-Zarewitsch kleine gläserne Kugeln und sagte zu den Brüdern: »Lasst uns, Brüder, jeder eine Kugel kaufen und sie in die Höhe werfen: Wer am höchsten wirft, soll der Erste unter uns sein.« Die Brüder waren einverstanden; sie losten, wer zuerst werfen solle. Das Los traf Iwan-Zarewitsch. Er warf die Kugel hoch, aber Iwan-Magdsohn noch höher, Sturmheld-Kuhsohn jedoch warf sie so hoch, dass man sie aus den Augen verlor. »Jetzt bin ich der Erste unter euch«, sagte er. Iwan-Zarewitsch geriet darüber in Zorn: »Wie, ein Kuhsohn, und will der Erste sein!« Sturmheld erwiderte darauf: »Gott gefällt es wohl, dass ihr mir gehorchen sollt.«

Sie wanderten über Weg und Steg und kamen zum Schwarzen Meer, dort zischte ein Schlangenungeheuer. Iwan-Zarewitsch sagte: »Nun, Brüder, wer dieses Ungeheuer zur Ruhe bringt, soll der Erste unter uns sein!« Die Brüder waren einverstanden, und Sturmheld sagte: »Beruhige du es, Iwan-Zarewitsch! Gelingt's dir, sollst du der Erste unter uns sein.« Der Zarensohn begann zu schreien und wollte das Ungeheuer zur Ruhe bringen, es ward aber noch wütender. Dann fing Iwan-Magdsohn an, es zur Ruhe zu bringen, aber auch er brachte nichts zustande, Sturmheld jedoch schrie auf und warf einen Stock ins Wasser – weg war das Ungeheuer, als ob es nie da gewesen wäre! Und wieder sagte er: »Ich bin der Erste unter euch!« Iwan-Zarewitsch aber geriet in Zorn: »Wir wollen dir nicht untertan sein!« – »Nun, so bleibt allein!« sagte Sturmheld und kehrte in seine Heimat zurück; die beiden Brüder aber gingen weiter, wohin die Augen schauen.

Der König erfuhr, dass Sturmheld allein zurückgekehrt war, und befahl, ihn in den Turm zu werfen. Man gab ihm nichts zu trinken und nichts zu essen drei Tage lang. Der Held schlug mit der Faust an die steinerne Wand und schrie mit gewaltiger Stimme: »Fragt einmal euren König, meinen Pflegevater, warum, weswegen er mir kein Essen geben lässt? Eure Mauern sind für mich keine Mauern und die Gitter keine Gitter; will ich, so zerschlag ich alles mit der Faust!« Sofort wurde dem König dies berichtet; der König ging selbst zu ihm und sagte: »Was prahlst du, Sturmheld?« – »Mein Pflegevater! Warum, weswegen gibst du mir kein Essen, quälst mich drei Tage mit dem Hungertode? Ich weiß keine Schuld, die auf mir liegt.« – »Wo hast du meine Söhne, deine Brüder, gelassen?« Sturmheld-Kuhsohn erzählte ihm, was sich begeben hatte: »Die Brüder leben, sind heil und gesund und gingen weiter, wohin die Augen schauen.« Der König fragte: »Warum bist du nicht mit ihnen gegangen?« – »Weil Iwan-Zarewitsch der Erste sein wollte, obwohl es dem Lose nach mir zukam.« – »Nun gut, ich werde sie zurückrufen lassen.« Sturmheld erwiderte: »Niemand, außer mir, wird sie einholen; sie gingen zu jenem Ort im Drachenland, wo aus dem Schwarzen Meer drei Drachen mit sechs, mit neun und mit zwölf Köpfen emporsteigen.« Der König bat ihn darauf gar sehr, und Sturmheld-Kuhsohn machte sich auf die Reise, nahm seine Kampfkeule mit und das Schwert und ging fort.

Rasch wird das Märchen erzählt, langsam die Tat getan. Er ging und ging und ereilte die Brüder nah vom Schwarzen Meer, an der Maßholderbrücke. Bei dieser Brücke stand eine Säule, und auf der Säule war geschrieben, dass hier die drei Drachen emporsteigen. »Willkommen, Brüder!« Sie freuten sich und antworteten: »Willkommen, Sturmheld, unser ältester Bruder!« – »Nun, euch ist es, scheint's, nicht nach Geschmack, was dort auf der Säule geschrieben steht?« Sturmheld schaute umher: nah bei der Brücke stand ein Hüttchen auf Hühnerfüßchen, auf einem Hahnenköpfchen, mit der Stirn zum Wald, mit dem Rücken zu ihnen gekehrt. Da schrie Sturmheld:

»Hüttchen, Hüttchen!
Stelle dich,
Lege dich
Mit dem Rücken zum Wald,
Zu uns mit der Stirn.«

Das Hüttchen drehte sich um, und sie gingen hinein; da stand ein Tisch gedeckt, und auf dem Tisch gab es von allem reichlich: Speisen und Getränke aller Art. In der Ecke stand ein Holzbett, darauf lag ein Daunenpfühl. Sturmheld sagte: »Seht, Brüder, wär ich nicht dabei, hättet ihr nichts von alledem!« Sie setzten sich und aßen und legten sich dann zur Ruhe nieder. Hernach, als Sturmheld sich erhoben hatte, sprach er: »Brüder, in dieser Nacht wird der sechsköpfige Drache emporsteigen; lasst uns losen, wer die Wache halten soll.« Sie warfen das Los, und es traf Iwan-Magdsohn. Sturmheld sagte zu ihm: »Gib acht, aus dem Meer wird ein Krüglein herausspringen und vor dir tanzen, schau aber nicht auf das Krüglein, sondern spuck darauf und zerschlag es.« Der Magdsohn ging hin, aber schlief gleich ein. Sturmheld jedoch wusste, dass auf seine Brüder kein Verlass war, und ging selbst ebenfalls hin; er wanderte auf der Brücke umher und klopfte hier und da mit seinem Stöckchen auf. Plötzlich sprang das Krüglein vor ihm hoch und tanzte herum. Sturmheld spuckte darauf und zerschlug es in kleine Stücke. Da schnatterte eine Ente, die Ufer erzitterten, das Meer erbrauste, das Meer wallte auf: Da kroch ein seltsames Ungeheuer, der sechsköpfige Drache, heran. Er pfiff und rief mit keckem Pfiff, mit kühnem Ruf:

»Grauchen-Braunchen,
Zauberross!
Sei zur Stell' und zeig dich mir,
Wie das Blatt vorm Grase!«

Das Ross rennt, die Erde zittert, unter den Hufen fliegen die Klumpen wie Heuschober so groß, aus Ohren und Nüstern wallt der Dampf. Der Drache saß auf und ritt auf die Maßholderbrücke, das Ross aber strauchelte unter ihm: »Was stolperst du, du Rabenaas, witterst du Freund oder Feind?« Antwortete das treue Ross: »Es gibt einen Feind für uns: Sturmheld-Kuhsohn.« – »Du lügst, du Rabenaas! Die Krähe hat seine Knochen im Beutel doch nicht hergetragen, wie sollte er selbst hier sein?« – »Ach, du Drache!« rief da Sturmheld-Kuhsohn, »die Krähe hat meine Knochen nicht hergetragen, sondern ich selbst gehe hier herum.« Der Drache fragte: »Weshalb bist du gekommen? Willst du meine Schwestern freien oder meine Töchter?« – »Nein, Bruder! Im Feld wollen wir uns begegnen, nicht Verwandtschaft pflegen! Lass uns kämpfen!« Sturmheld trat zurück, holte mit der Kampfkeule aus und hieb drei Köpfe dem Untier ab; beim zweiten Male fielen die anderen drei. Den Rumpf zerschnitt er und warf ihn ins Meer; die Köpfe versteckte er unter der Maßholderbrücke, das Ross aber band er zu Füßen des Magdsohnes an, das Schwert aus gutem Stahl legte er ihm zu Häupten; dann ging er in das Hüttchen und legte sich schlafen, als sei nichts geschehen. Iwan-Magdsohn erwachte, erblickte das Ross und ward sehr froh, setzte sich auf, ritt zum Hüttchen und rief: »Sturmheld verbot mir zwar, auf das Krüglein zu schauen, ich aber tat es doch, und da hat mir Gott ein Pferd gegeben!« Jener antwortete: »Dir hat er's gegeben, uns aber erst versprochen!«

In der nächsten Nacht war Iwan-Zarewitsch an der Reihe zu wachen. Sturmheld sagte auch ihm das Gleiche über das Krüglein. Der Zarensohn ging auf der Brücke umher, klopfte hier und da mit dem Stöckchen auf, das Krüglein sprang hervor und begann vor ihm zu tanzen; er schaute lange zu und fiel in festen Schlaf. Sturmheld aber verließ sich nicht auf den Bruder, sondern ging auch hin; er wanderte auf der Brücke umher, klopfte hier und da mit seinem Stöckchen auf, das Krüglein sprang hervor und tanzte herum. Sturmheld spuckte darauf und schlug es in Scherben. Plötzlich schnatterte die Ente, die Ufer erzitterten, das Meer erbrauste, das Meer wallte auf: Da kroch ein seltsames Ungeheuer heran, pfiff und rief mit keckem Pfiff, mit kühnem Ruf:

»Grauchen-Braunchen,
Zauberross!
Sei zur Stell' und zeig dich mir,
Wie das Blatt vorm Grase!«

Das Ross rennt, die Erde zittert, aus Ohren und Nüstern wallt der Dampf in Säulen, aus dem Maule loht die feurige Flamme; es steht vor ihm wie angewurzelt. Das Ungeheuer, der neunköpfige Drache, saß auf, und als er auf die Maßholderbrücke hinaufritt, strauchelte das Ross unter ihm. Der Drache schlug es auf die starken Schenkel. »Was stolperst du, du Rabenaas, witterst du Freund oder Feind?« – »Es gibt einen Feind für uns: Sturmheld-Kuhsohn.« – »Du lügst; seine Knochen hat die Krähe im Beutel doch nicht hergetragen, wie sollte er selbst hier sein!« – »Ach, du verfluchter Drache!« rief da Sturmheld-Kuhsohn, »ich selbst gehe hier schon das zweite Jahr herum.« – »Nun, wie ist's, Sturmheld, freist du um meine Schwestern oder meine Töchter?« – »Im Feld wollen wir uns begegnen, nicht Verwandtschaft pflegen! Lass uns kämpfen!« Sturmheld trat zurück, holte mit der Kampfkeule aus, drei Häupter hieb er wie Kohlköpfe ab; zum zweiten Male holte er aus, hieb noch drei Köpfe ab, beim dritten Male fielen die Übrigen. Den Rumpf zerschnitt er und warf ihn ins Schwarze Meer, die Köpfe versteckte er unter der Maßholderbrücke, das Ross band er zu Füßen des Zarensohnes an, das Schwert aber aus gutem Stahl legte er ihm zu Häupten; dann ging er in das Hüttchen und legte sich schlafen, als sei nichts geschehen. Am Morgen erwachte Iwan-Zarewitsch, erblickte das Ross, das noch besser war als das Erste; er freute sich, ritt zum Hüttchen und rief: »He, Sturmheld, du verbotest mir zwar, auf das Krüglein zu schauen, Gott aber hat mir ein Ross gegeben, ein besseres als das Erste.« Jener antwortete: »Euch hat Gott eins gegeben, mir aber nur versprochen.«

Es nahte die dritte Nacht; Sturmheld rüstete sich zur Wache. Er stellte einen Tisch hin und ein Licht darauf, stach ein Messer in die Wand, hängte ein Handtuch daran, gab den Brüdern ein Spiel Karten und sagte: »Spielt Kinder, vergesst jedoch meiner nicht. Sobald die Kerze zu Ende gebrannt ist, von diesem Handtuch aber Blut auf den Teller tropft, lauft schnell auf die Brücke mir zu Hilfe.« Sturmheld wanderte auf der Brücke umher, klopfte hier und da mit dem Stöckchen auf, das Krüglein sprang hervor und tanzte vor ihm. Sturmheld spuckte darauf und schlug es in kleine Stücke. Plötzlich schnatterte die Ente, die Ufer zitterten, das Meer erbrauste, das Meer wallte auf: Da kroch ein seltsames Ungeheuer heran: der zwölfköpfige Drache. Er pfiff und rief mit keckem Pfiff, mit kühnem Ruf:

»Grauchen-Braunchen,
Zauberross!
Sei zur Stell' und zeig dich mir,
Wie das Blatt vorm Grase!«

Das Ross rennt, die Erde zittert, aus Ohren und Nüstern wallt der Dampf in Säulen, aus dem Maule loht die feurige Flamme; es läuft herbei und steht vor ihm wie angewurzelt. Das Ungeheuer saß auf und machte sich auf den Weg; und als es auf die Brücke ritt, da strauchelte das Ross unter ihm: »Was stolperst du, du Rabenaas, witterst du gar einen Feind?« – »Es gibt einen Feind für uns: Sturmheld-Kuhsohn.« – »Schweig, seine Knochen hat die Krähe im Beutel nicht hergetragen!« – »Du lügst, verfluchter Drache! Ich selbst gehe hier schon das dritte Jahr herum.« – »Nun, wie ist's, Sturmheld, willst du um meine Schwestern oder meine Töchter freien?« – »Im Felde wollen wir uns begegnen, nicht Verwandtschaft pflegen! Lass uns kämpfen!« – »Aha, meine beiden Brüder hast du getötet, da glaubst du auch mich besiegen zu können?!« – »Der Ausgang steht bei Gott! Aber höre, verfluchter Drache, du bist zu Pferd, ich aber bin zu Fuß. Dieses Übereinkommen soll gelten: Den Liegenden trifft kein Schlag.« Sturmheld trat zurück, holte mit der Kampfkeule aus, drei Köpfe schlug er mit einem Hiebe ab; zum zweiten Male trat er zurück, der Drache warf ihn jedoch zu Boden. Der Held rief: »Halt, Ungeheuer! Es war verabredet: Den Liegenden trifft kein Schlag.« Der Drache gab ihm Zeit, aufzustehen; jener erhob sich, und drei Häupter flogen ab wie Kohlköpfe. Sie begannen wieder zu kämpfen; viele Stunden mühten sie sich ab, beiden versagte die Kraft, der Drache verlor noch drei Köpfe, dem Helden aber zersprang die Keule. Sturmheld-Kuhsohn zog vom linken Fuß den Stiefel, warf ihn auf das Hüttchen: Die Hälfte riss er ein, aber die Brüder schliefen, sie hörten nichts; vom rechten Fuß zog er den Stiefel und warf ihn, dass das Hüttchen barst, aber die Brüder wachten noch immer nicht auf. Sturmheld packte ein Stück der Keule, warf es gegen den Stall, wo die zwei Hengste standen, und brach die Tür entzwei; die Hengste rannten auf die Brücke und warfen den Drachen aus dem Sattel. Da ward der Held froh, eilte hinzu und schlug dem Drachen die letzten drei Köpfe ab; den Rumpf zerschnitt er und warf ihn ins Schwarze Meer, die Köpfe aber versteckte er unter der Maßholderbrücke. Dann führte er die drei Hengste in den Stall, versteckte sich selbst unter der Maßholderbrücke und trocknete das Blut auf der Brücke nicht auf.

Am Morgen erwachten die Brüder; sie sahen: Das Hüttchen ist zusammengefallen, der Teller voll Blut. Sie gingen in den Stall hinein, drei Hengste standen darin; sie wunderten sich, wo ihr ältester Bruder geblieben sein könne, suchten ihn drei Tage lang, aber fanden ihn nicht und sprachen zueinander: »Sicherlich hat einer den andern getötet, ihre Leiber aber sind verschwunden; wir wollen nun heimreiten!« Kaum hatten sie die Pferde gesattelt und sich zum Ritt bereit gemacht, als Sturmheld erwachte und unter der Brücke hervorkam: »Warum verlasst ihr euren Gefährten, Brüder? Ich hab euch vom Tode errettet, ihr aber habt immer nur geschlafen und seid mir nicht zu Hilfe gekommen.« Da fielen sie vor ihm auf die Knie nieder: »Wir sind schuld, Sturmheld, unser großer Bruder!« – »Gott wird euch verzeihen!« Dann flüsterte er, zum Hüttchen gewendet: »Wie du früher warst, sei auch jetzt wieder!« Das Hüttchen stand da wie früher, mit Essen und mit Getränken. »Esst, Brüder, denn ohne mich seid ihr wohl fast verhungert; dann aber lasst uns reiten!« Sie aßen und ritten über Weg und Steg.

Als sie zwei Werst entfernt waren, sagte Sturmheld-Kuhsohn: »Brüder, ich hab im Hüttchen meine Peitsche vergessen; reitet im Schritt, während ich sie schnell hole.« Er kam zum Hüttchen, stieg vom Ross und ließ es auf die Bannwiesen. »Lauf, treues Ross, bis ich dich rufe!« Sich selbst verwandelte er in eine Fliege, schwirrte ins Hüttchen hinein und setzte sich auf den Ofen. Ein wenig später trat die Baba-Jaga herein und setzte sich vorn in die Ecke; zu ihr kam die junge Schwiegertochter und sprach: »Ach, Mütterchen! Euren Sohn, meinen Mann, hat Sturmheld Iwan-Kuhsohn umgebracht. Aber ich werd ihm diesen Schimpf schon heimzahlen: Will vorauslaufen und ihm einen heißen Tag auf den Hals schicken, mich selbst aber zur grünen Wiese machen; auf dieser Wiese verwandle ich mich in einen Brunnen; in diesem Brunnen wird ein silberner Becher schwimmen; und auch in ein Holzbett werd ich mich verwandeln. Die Brüder werden die Rosse füttern, sich erholen und Wasser trinken wollen; da wird es sie zu Mohnkörnchen zerreißen!« Die Schwiegermutter antwortete: »So haben die Bösewichter es auch verdient!« Die zweite Schwiegertochter kam hinzu und sprach: »Ach, Mütterchen! Euren Sohn, meinen Mann, hat Sturmheld Iwan-Kuhsohn umgebracht. Aber ich werd ihm diesen Schimpf schon heimzahlen: Will vorauslaufen, mich in einen wundervollen Garten verwandeln; über den Zaun werden Früchte herabhängen; saftige, duftende! Ein jeder wird pflücken wollen, was ihm behagt; doch da wird es sie zu Mohnkörnchen zerreißen.« Antwortete ihr die Schwiegermutter: »Auch du hast es klug erdacht.« Die dritte, jüngste Schwiegertochter kam hinzu und sprach: »Ach, Mütterchen! Sturmheld Iwan-Kuhsohn hat Euren Sohn, meinen Mann, umgebracht. Aber ich werd ihm diesen Schimpf schon heimzahlen: Will mich in ein altes Hüttchen verwandeln; sie werden übernachten wollen, und sowie sie ins Hüttchen hineingehen werden, wird es sie zu Mohnkörnchen zerreißen.« – »Nun, meine lieben Schwiegertöchter! Und wenn ihr sie nicht vernichtet, so werd ich morgen selbst voranlaufen, mich in ein Schwein verwandeln und alle drei verschlingen.« Sturmheld saß auf dem Ofen, hörte, was sie sprachen, und flog hinaus auf den Weg: Er warf sich auf die Erde und ward alsbald zum Heldenjüngling; er pfiff und rief mit keckem Pfiff, mit kühnem Ruf:

»Grauchen-Braunchen,
Zauberross!
Sei zur Stell' und zeig dich mir,
Wie das Blatt vorm Grase!«

Das Ross rennt, die Erde zittert. Sturmheld saß auf und ritt davon; er band eine Bastfaser an sein Stöckchen, eilte seinen Gefährten nach und sagte zu ihnen: »Seht, Brüder, das Peitschchen, ohne welches ich nicht leben kann!« – »He, Bruder, um welchen Quark du dich kümmerst! In der Stadt hätten wir ein neues kaufen können.«

Sie ritten über die Steppe und durch Täler; der Tag war heiß, nicht zum Aushalten, und der Durst quälte sie. Da kamen sie an eine grüne Wiese mit saftigem Gras, und auf dem Grase stand ein hölzernes Bett. »Bruder Sturmheld, lass uns die Pferde auf der Wiese weiden und uns selbst auf dem Bett ausruhen; da ist auch ein Brunnen, vom kalten Wasser lass uns trinken!« Doch Sturmheld antwortete seinen Brüdern: »Der Brunnen steht einsam in der Steppe, niemand schöpft und trinkt aus ihm.« Er sprang von seinem treuen Ross und fing an den Brunnen zu hauen und zu schlagen: Blut floss in Strömen; sofort ward das Wetter trübe, die Hitze wich, und der Durst verschwand. »Seht, Brüder, welch dickes Wasser! Blut mag es wohl scheinen.«

Sie ritten weiter. War es lang darauf, war es kurz – da kamen sie an einem wundervollen Garten vorüber. Iwan-Zarewitsch sagte zum ältesten Bruder: »Erlaube uns, ein Äpfelchen zu pflücken.« – »He, Brüder, der Garten steht einsam in der Steppe, vielleicht sind die Äpfel alt und faul; isst man sie, so befällt einen eine Krankheit. Erst werd ich hingehn und nachschauen!« Er ging in den Garten, fing an zu hauen und zu schlagen, hieb alle Bäume bis auf den letzten ab. Die Brüder jedoch wurden zornig auf ihn, weil er nicht nach ihrem Willen tat.

Sie ritten über Weg und Steg, die dunkle Nacht umfing sie; an einer Hütte langten sie an. »Bruder Sturmheld! Schau, der Regen fällt, lass uns in der Hütte nächtigen.« – »Ach, Brüder! Besser lasst uns Zelte aufschlagen und auf freiem Felde nächtigen, als in dieser Hütte. Sie ist alt, und wenn wir hineingehn, stürzt sie zusammen und erdrückt uns. Ich will aber absteigen und hineinschauen.« Er trat in die Hütte und fing an zu hauen, Blut spritzte empor! »Da seht ihr nun selber, was für eine Hütte das ist: durch und durch ist sie faul! Lasst uns weiterreiten.« Die Brüder murrten vor sich hin, ließen es aber nicht merken, dass sie sich ärgerten. Sie ritten weiter; da teilte sich der Weg. Sturmheld sagte: »Brüder, lasst uns den linken Weg nehmen!« Jene antworteten: »Reit, wohin du willst, wir folgen dir aber nicht.« Und sie ritten nach rechts, Sturmheld jedoch nach links.

Sturmheld kam zu einem Dorf, und in diesem Dorf arbeiteten zwölf Schmiede. Da rief und pfiff er mit keckem Pfiff, mit kühnem Ruf: »Schmiede, Schmiede, kommt alle herbei!« Die Schmiede hörten es, alle zwölf eilten zu ihm: »Was willst du?« – »Zieht rings um die Schmiede eine eiserne Wand!« Sie gehorchten und vollbrachten es im Nu. »Schmiedet, Schmiede, zwölf eiserne Ruten und glüht die Zangen zu roter Glut! Ein Schwein wird zu euch gelaufen kommen und sagen: ›Schmiede, Schmiede! Gebt mir den Schuldigen heraus; gebt ihr mir den Schuldigen nicht, so werd ich euch alle samt der Schmiede verschlingen!‹ Ihr aber sagt: ›Ach, Mütterchen Schwein, nimm uns diesen Dummkopf nur fort, er fällt uns schon lange zur Last. Steck nur die Zunge zur Schmiede herein, dann setzen wir ihn dir schon drauf.‹«Kaum hatte Sturmheld ihnen diesen Befehl erteilt, da war das Riesenschwein schon da und rief laut: »Schmiede, Schmiede, gebt mir den Schuldigen heraus!« Die Schmiede antworteten alle zugleich: »Mütterchen Schwein, nimm uns diesen Dummkopf nur fort, er fällt uns schon lange zur Last. Steck nur die Zunge zur Schmiede herein, dann setzen wir ihn dir schon drauf!« Das Schwein war dumm und gutgläubig, streckte die Zunge einen ganzen Klafter weit heraus; Sturmheld packte es an der Zunge mit heißen Zangen und schrie den Schmieden zu: »Nehmt die eisernen Ruten, haut zu aus Leibeskräften!« Sie schlugen so lange drauflos, bis die Rippen bloß lagen. »Und nun«, sagte Sturmheld, »haltet einmal das Schwein und lasst mich ihm den Rest geben!« Er packte eine eiserne Rute, und wie er zuschlug, waren alle Rippen entzwei. Da begann das Schwein zu flehen: »Sturmheld, lass meiner armen Seele Zeit zu bereuen!« Sturmheld erwiderte: »Warum hast du meine Brüder verschlungen?« – »Deine Brüder geb ich dir gleich wieder zurück.« Er packte das Schwein an den Ohren; es erbrach sich, und beide Brüder sprangen mit ihren Rossen hervor. Da hob Sturmheld das Schwein empor und schleuderte es mit mächtigem Schwung auf die feuchte Erde; das Schwein barst in Stücke und ward zu einem unreinen Geist. Sturmheld sprach zu seinen Brüdern: »Seht ihr nun, Dummköpfe, wo ihr hingeraten seid?« Sie fielen auf die Knie: »Wir sind schuld, Sturmheld-Kuhsohn!« – »Jetzt lasst uns unseres Weges reiten; auf Hindernisse werden wir nicht mehr stoßen.«

Sie kamen in ein Zarenreich, zum indischen König, und schlugen auf seinen Bannwiesen ihre Zelte auf. Der König erwachte am Morgen, schaute durch sein Fernrohr, erblickte die Zelte und rief seinen ersten Minister zu sich. »Geh hin, Bruder! Nimm dir ein Pferd aus dem Stall, reit auf die Bannwiesen und bringe in Erfahrung, was für Flegel angekommen sind und ohne meine Erlaubnis Zelte aufgeschlagen und Feuer angezündet haben auf meinen Bannwiesen.« Der Minister ritt hin und fragte: »Was seid ihr für Leute, Zaren oder Zarensöhne, Könige oder Königssöhne oder großmächtige Helden?« Antwortete Sturmheld-Kuhsohn: »Wir sind großmächtige Helden und gekommen, um die Königstochter zu freien. Melde deinem König, er möge seine Tochter Iwan-Zarewitsch zum Ehegemahl geben; gibt er aber seine Tochter nicht, soll er ein Heer aussenden.« Der König fragte seine Tochter, ob sie wohl Iwan-Zarewitsch folgen wolle. »Nein, Väterchen, ich will ihn nicht zum Mann; schick ein Heer aus.«

Gleich wurden die Hörner geblasen, die Trommeln gerührt, das Heer sammelte sich und marschierte auf die Bannwiesen; so groß war es, dass Iwan-Zarewitsch und Iwan-Magdsohn erschraken. Unterdessen kochte Sturmheld-Kuhsohn eine dünne Grütze zum Frühmahl und rührte sie mit dem Kochlöffel um; er ging dann hinaus, und sowie er mit dem Löffel ausholte und zuschlug, lag die Hälfte des Heeres am Boden; er kehrte zurück, rührte die Grütze wieder um, ging abermals hinaus, schlug zu, und die zweite Hälfte des Heeres lag auf dem Platz; nur einen Einäugigen ließ er übrig und noch einen Blinden. »Meldet dem König«, sagte er, »dass er seine Tochter Marja, das Königskind, dem Iwan-Zarewitsch zur Frau geben möge; tut er es nicht, soll er ein Heer aussenden und selbst hinausreiten.« Der Einäugige und der Blinde kamen zu ihrem König und sagten: »Herr! Sturmheld befahl, dir zu melden, dass du deine Tochter Iwan-Zarewitsch zur Frau geben sollst; er war sehr zornig, hat uns alle mit dem Kochlöffel zu Boden geschlagen.« Der König ging auf seine Tochter zu und sprach: »Mein liebes Kind! Nimm Iwan-Zarewitsch zum Mann.« Die Tochter antwortete: »Es bleibt nichts übrig, ich werd ihn nehmen müssen. Befiehl, Väterchen, dass man ihm einen Wagen schickt.« Der König sandte sofort einen Wagen, selbst stand er am Tor und wartete. Iwan-Zarewitsch kam mit seinen beiden Brüdern. Der König empfing sie mit Musik und Paukenschall, höflich und freundlich, und setzte sie an die Eichentische, bedeckt mit gemusterten Tüchern, beladen mit süßen Speisen und mit Honiggetränken. Da flüsterte Sturmheld Iwan-Zarewitsch zu: »Gib acht, Iwan-Zarewitsch, die Königstochter wird zu dir treten und bitten: Erlaube mir, auf ein Stündchen hinauszugehn! Du aber antworte: Geh, auch für zwei!«

Nachdem die Königstochter eine Weile gesessen hatte, kam sie zum Zarensohn und sagte: »Gestatte mir, Iwan-Zarewitsch, in das andere Zimmer zu gehen, mich umzukleiden.« Iwan-Zarewitsch erlaubte es; sie ging aus dem Zimmer hinaus, Sturmheld aber hinter ihr mit leisem Schritt. Die Königstochter warf sich auf die Treppe, verwandelte sich in ein Täubchen und flog hinaus zum Meer. Sturmheld warf sich zur Erde, verwandelte sich in einen Falken und flog hinter ihr drein. Die Königstochter erreichte das Meer, warf sich auf die Erde, verwandelte sich zur schönen Jungfrau und sprach: »Großväterchen, Großväterchen, goldenes Köpfchen, silbernes Bärtchen! Lass mich mit dir reden!« Großväterchen reckte sich aus dem blauen Meer empor: »Was brauchst du, mein Enkelchen?« – »Iwan-Zarewitsch freit um mich; ich wollte seine Frau nicht werden, aber nun ist unser ganzes Heer erschlagen. Gib mir, Großväterchen, von deinem Kopf drei Haare, die werd ich dem Zarensohn vorweisen: Errate nun, Iwan-Zarewitsch, aus welcher Wurzel wuchs dieses Gras?« Großväterchen gab ihr drei Haare; sie warf sich auf die Erde, verwandelte sich in ein Täubchen und flog heim. Dann aber warf sich Sturmheld zur Erde, verwandelte sich in eine ebensolche Jungfrau und sprach: »Großväterchen, Großväterchen! Komm noch einmal hervor und rede mit mir: Ich hab vergessen, dir noch ein Wort zu sagen.« Kaum hatte Großväterchen seinen Kopf aus dem Wasser emporgereckt, als Sturmheld ihn packte und ihm den Kopf abriss. Dann warf er sich zur Erde, verwandelte sich in einen Adler und flog zum Palast, schneller als die Königstochter. Er rief den Zarensohn auf den Flur hinaus. »Hier, Iwan-Zarewitsch, nimm diesen Kopf. Die Königstochter wird vor dich treten, dir drei Haare weisen und sagen: ›Errate nun, Iwan-Zarewitsch, aus welcher Wurzel wuchs dieses Gras?‹ Dann zeige ihr den Kopf.« Die Königstochter trat heran, wies Iwan-Zarewitsch die drei Haare und sagte: »Errate, Zarensohn, aus welcher Wurzel wuchs dieses Gras? Erkennst du sie, folg ich dir als Gattin, wenn nicht – sei nicht zornig auf mich!« Iwan-Zarewitsch aber zog unter dem Rockschoß den Kopf hervor, warf ihn auf den Tisch und sprach: »Da hast du die Wurzel!« Die Königstochter dachte im Stillen bei sich: »Tüchtig sind die Burschen!« Sie bat: »Gestatte mir, Iwan-Zarewitsch, mich im anderen Zimmer umzukleiden.« Der Zarensohn erlaubte es; sie ging hinaus auf die Treppe, warf sich zur Erde nieder, verwandelte sich in ein Täubchen und flog wieder fort zum Meer. Sturmheld packte den Kopf, ging auf den Hof, warf den Kopf gegen die Treppe und sagte dazu: »Wo du früher warst, sei nun wieder!« Der Kopf flog dahin, war eher zur Stelle als die Königstochter und wuchs am Körper an. Die Königstochter hielt am Meer, warf sich zur Erde und verwandelte sich in die schöne Jungfrau: »Großväterchen, Großväterchen, komm hervor, sprich mit mir!« Er reckte sich empor und fragte: »Was brauchst du, Enkelchen?« – »Was? Dein Kopf war nicht dort?« – »Weiß nicht, Enkelchen! Hab tief geschlafen.« – »Nein, Großväter-chen, dein Kopf ist dort gewesen.« – »So wird man wohl den Kopf abgerissen haben, als du das letzte Mal hier warst und ein Wörtchen mit mir reden wolltest.« Sie warf sich zur Erde, verwandelte sich in ein Täubchen und flog heim; kleidete sich in ein anderes Gewand, trat ein und setzte sich neben Iwan-Zarewitsch nieder.

Am nächsten Tage fuhren sie zur Trauung, die Ehe zu schließen; als sie zurückgekehrt waren, führte Sturmheld Iwan-Zarewitsch fort, um ihm zu zeigen, wo ihm das Schlafgemach gerüstet worden war, gab ihm drei Ruten, eine eiserne, eine kupferne, eine dritte aber aus Zinn, und sagte: »Willst du am Leben bleiben, so erlaube mir, an deiner Stelle mich zur Königin zu legen.« Der Zarensohn war einverstanden. Der König führte das junge Paar zum Ehebett. Da löste Sturmheld-Kuhsohn den Zarensohn ab, und kaum lag er, so begann er zu schnarchen. Die Königstochter legte den Fuß auf ihn, legte auch den Zweiten dazu, dann nahm sie ein Kissen und begann den Helden zu ersticken. Sturmheld aber sprang empor, packte die eiserne Rute und fing an, die Königin zu schlagen; schlug sie so lange, bis die Rute zerbrach. Dann nahm er die kupferne, und auch die ging in Stücke; zuletzt schlug er mit der zinnernen. Die Königin begann zu flehen und verschwor sich mit hohen Eiden, nie mehr solche Dinge zu tun. Am Morgen erhob sich Sturmheld und ging zu Iwan-Zarewitsch: »Nun, Bruder, geh hin und sieh, wie deine Frau von mir gezähmt ist; die drei Ruten, die bereit waren, hab ich alle an ihr zerschlagen. Fortan lebt in Frieden, liebt einander und vergesst meiner nicht.«



1806 gelesen · Drucken
Login
Username

Passwort



Noch kein Mitglied?
Klicke hier um dich zu registrieren.

Passwort vergessen?
Fordere Hier ein neues an
Startseite · Spendenbedarf · Spendenkonten · Berichte · Bilder · BLOG · Forum · Links · SIBIRIEN
Copyright beryosa.net © 2007
1017629 Eindeutige Besuche
Powered by PHP-Fusion 2003-2005 and Matonor.de