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Wassilissa - Die Wunderschöne
Ralf am 06.08.2007 14:16:56


In einem Reiche lebte einmal ein Kaufmann zwölf Jahre lang einträchtig mit seiner Frau. Sie hatten eine einzige Tochter, die wunderschöne Wassilissa. Als das Mädchen acht Jahre zählte, ward die Mutter sterbenskrank. Sie rief ihre Tochter zu sich, holte unter ihrer Decke eine Puppe hervor, gab sie ihr und sagte: «Höre, mein Kind, behalte meine letzten Worte gut in deinem Gedächtnis und beherzige sie. Mit meinem mütterlichen Segen hinterlasse ich dir diese Puppe; bewahre sie immer bei dir, zeige sie niemandem. Wenn dir einmal Kummer und Leid widerfahren, gib der Puppe zu essen und dann frage sie um Rat. Die Puppe wird erst essen und dir dann sagen, wie du dem Unglück wehren kannst.»

Darauf küßte die Mutter ihre Tochter und verschied.

Nach dem Tode seiner Frau trauerte der Kaufmann ein Jahr. Dann aber gedachte er sich wieder zu verheiraten. Er war ein angesehener Mann und hätte mehrere Bräute finden können. Am meisten gefiel ihm eine Witwe mit zwei Töchtern. Er glaubte, sie könne ihm eine gute Hausfrau und Wassilissa eine gute Mutter werden. Also heiratete der Kaufmann die Witwe. Aber die Sache kam anders, denn Wassilissa hatte bei der Stiefmutter und ihren Töchtern kein gutes Leben. Sie bürdeten ihr viele Arbeiten auf, damit sie vor Erschöpfung abmagere und ihr Gesicht immer häßlicher werde. Sie machten ihr das Leben zur Hölle.

Wassilissa ertrug alles ohne Widerrede und Murren. Mit jedem Tag wurde sie schöner, während die Stiefmutter und deren Töchter vor Bosheit immer häßlicher wurden, obwohl sie den ganzen Tag die Hände in den Schoß legten. Wie mochte das wohl zugehen? Unserer Wassilissa half ihre Puppe. Am Abend, wenn alle schlafen gegangen waren, schloß sie sich in ihr Kämmerlein ein, gab der Puppe zu essen und sagte: «Iß, liebe Puppe, und höre meine Klagen! Ich lebe wohl in meines Vaters Haus, aber die Stiefmutter will mich verderben. Lehre mich, wie soll ich mich verhalten, was soll ich tun?» Die Puppe aß, tröstete sie in ihrem Kummer und gab ihr gute Ratschläge. Dann konnte Wassilissa ruhig einschlafen. Wenn sie am Morgen erwachte, hatte die Puppe alle Arbeit für sie getan.

Wie hätte sie sonst zurechtkommen sollen! Die Beete waren gejätet, das Gemüse gegossen, Wasser geholt und der Ofen geheizt. Wassilissa konnte sich im Garten erholen und Blumen pflücken. So hatte sie trotz allem mit ihrer Puppe ein gutes Leben.

Es vergingen einige Jahre. Wassilissa wuchs heran und kam ins Alter zu heiraten. Viele junge Männer freiten um sie, aber die Töchter der Stiefmutter wollte keiner. Da ward jene noch giftiger als bisher und gab den Freiern zur Antwort: «Ich werde die Jüngste nicht vor den Älteren heiraten lassen.» -Jetzt wurde das Leben für Wassilissa noch schwerer.

Eines Tages mußte der Kaufmann für längere Zeit eine Reise antreten. Die Stiefmutter hatte erfahren, daß draußen vor der Stadt, nahe an einem finsteren Walde, dem Kaufmann ein Haus gehört. Doch niemand getraute sich dort zu wohnen, weil in dem Walde die Baba Jaga lebte. Sie war eine Menschenfresserin. In dieses Haus zog die Stiefmutter mit den Töchtern. Sie schickte die verhaßte Wassilissa immer wieder mit einem anderen Vorwand in den Wald. Sie sollte der Menschenfresserin begegnen. Aber Wassilissa kam jedesmal wohlbehalten zurück, weil die Puppe ihr den Weg zeigte. Sie ließ sie nicht in die Nähe der Baba Jaga kommen.

So wurde es Herbst.

Eines Abends verteilte die Stiefmutter den drei Mädchen Arbeiten: Eine sollte häkeln, die andere Strümpfe stricken, Wassilissa aber sollte spinnen. Dann löschte sie im ganzen Hause das Licht und ließ nur eine einzige Kerze dort brennen, wo die Mädchen arbeiteten. Sie selbst legte sich schlafen.

Während die Mädchen fleißig ihre Arbeit taten, fing die Kerze zu rußen an. Die eine Stiefschwester wollte den Docht richten, dabei löschte sie aber die Kerze aus, wie es ihr die Mutter vorher befohlen hatte. «Was sollen wir jetzt tun? Kein Licht brennt im ganzen Hause, und unsere Arbeit ist noch nicht beendet. Jemand muß zur Baba Jaga gehen und Licht holen!» Die Stiefschwestern sprachen: «Uns ist es hell genug von unseren Nadeln. Du mußt Licht holen! Gehe du zur Baba Jaga!» - Und sie stießen Wassilissa aus der Stube.

Wassilissa ging in ihre Kammer, setzte ihrer Puppe die besten Bissen vor und sagte: «Hier, Puppe, iß und hör mein Klagen: Die bösen Schwestern schicken mich nach Licht zur Baba Jaga; die wird mich fressen.» Die Puppe aß und ihre Augen begannen zu leuchten wie zwei Sterne. «Hab keine Angst, liebe Wassilissa! Geh wohin sie dich schicken, nur nimm mich immer mit! Wenn ich bei dir bin, wird dir nichts geschehen.» Wassilissa steckte die Puppe in ihre Tasche, bekreuzigte sich und machte sich auf den Weg in den finsteren Wald.

Sie ging und zitterte vor Angst. Auf einmal sprengte ein Reiter an ihr vorbei: Er war ganz weiß, seine Rüstung war weiß und das Pferd war weiß: Da begann es zu dämmern.

Sie ging weiter, da sprengte ein zweiter Reiter vorbei: Er war ganz rot, seine Rüstung war rot und er saß auf einem roten Pferd: Da ging die Sonne auf, und es ward Morgen.

Wassilissa lief den ganzen Tag und kam am Abend auf die Lichtung, wo das Haus der Baba Jaga stand. Rund um das Haus stand ein Zaun aus lauter Menschenknochen und auf den Pfählen steckten Menschenschädel mit Augen, daraus leuchtete es. Statt der Türe war ein Eingang aus Menschenbeinen, die Riegel waren Hände, das Schloß aber war ein Mund mit scharfen Zähnen. Wassilissa erstarrte vor Entsetzen und stand wie angewurzelt da. Wieder ritt ein Reiter vorbei: Seine Gestalt war schwarz, seine Rüstung war schwarz und er saß auf einem schwarzen Pferd. Er ritt an dem Tor vorbei und verschwand, als ob ihn der Erdboden verschluckt hätte - da ward es Nacht. Nur aus den Augenhöhlen der Schädel leuchtete es. Wassilissa zitterte vor Angst und wußte nicht, ob sie fliehen oder stehenbleiben sollte.

Auf einmal hörte man aus dem Walde fürchterlichen Lärm. Baba Jaga kam aus dem Wald. Sie fuhr in einem Mörser, den sie mit einem Stößel antrieb. Mit einem Besen verwischte sie die Spur hinter sich. Sie fuhr vor das Tor, hielt an und schnüffelte nach allen Seiten: «Fuh, Fuh! Es riecht nach einem Russen! Wer ist hier?» Voll Furcht trat Wassilissa hervor, verneigte sich und sagte: «Ich bin's, Großmütterchen! Die Töchter meiner Stiefmutter haben mich geschickt Licht zu holen.» - «Ja, recht so! Die kenne ich. Du kannst bei mir wohnen und arbeiten, und dann will ich dir auch Licht geben. Erfüllst du aber die Arbeiten nicht, werde ich dich fressen.»

Darauf wandte sie sich zum Tor und rief: «He da, meine festen Riegel, öffnet euch! Ihr, meine weiten Tore, gehet auf!» Die Tore öffneten sich, Baba Jaga fuhr in den Hof und Wassilissa folgte ihr. Gleich darauf schlössen sich knarrend die Tore. Baba Jaga betrat ihre Stube, streckte sich auf der Bank aus und befahl Wassilissa: «Nun hole aus dem Keller Kwas und aus dem Ofen, was dort steht, ich habe Hunger.»

Wassilissa ging hinaus und zündete an einem der Schädel einen Span an. Dann holte sie die Speisen und Baba Jaga aß und trank soviel, daß zehn Männer hätten satt werden können. Als sie satt war, stand sie auf und sagte: «Wenn ich morgen früh fortfahre, kehre den Hof, fege das Haus, koche das Essen, richte die Wäsche und dann gehe auf den Speicher, nimm einen Scheffel Weizen und lese die schwarzen Körner aus! Das alles muß fertig sein, wenn ich nach Hause komme, sonst fresse ich dich!» Dann ging sie schlafen und fing bald an zu schnarchen.

Wassilissa gab der Puppe zu essen, was die Alte übrig gelassen hatte, begoß alles mit ihren Tränen und sagte: «Hier, Puppe, iß und höre meine Klagen! Schwere Arbeit hat mir Baba Jaga aufgetragen und drohte mir, mich zu fressen, wenn ich nicht alles erfülle. Hilf du mir!» Die Puppe gab zur Antwort: «Hab keine Angst, iß zu Abend, sprich dein Gebet und lege dich schlafen! Der Morgen ist klüger als der Abend!»

Als Wassilissa am Morgen erwachte, war Baba Jaga schon aufgestanden. Sie sah zum Fenster hinaus, die Lichter in den Schädeln erloschen. Der weiße Reiter sprengte vorbei - es dämmerte. Baba Jaga trat auf den Hof und pfiff: Der Mörser stand vor ihr mit Stößel und Besen. Der rote Reiter sprengte vorbei — die Sonne ging auf. Baba Jaga setzte sich in den Mörser und fuhr davon. Mit dem Stößel trieb sie ihn an, mit dem Besen verwischte sie ihre Spur.

Wassilissa war allein zu Hause. Sie sah sich im Hause um, bestaunte den Überfluß an allen Dingen und versank in Nachdenken, mit welcher Arbeit sie zuerst beginnen sollte. Als sie aufschaute, war die Arbeit schon getan; gerade las die Puppe die letzten schwarzen Körner aus dem Weizen heraus. «Ach, du meine Retterin, du hast mir aus der Not geholfen!» - «Jetzt brauchst du nur noch das Essen zu kochen», antwortete die Puppe und kroch in Wassilissa's Tasche.

Gegen Abend deckte Wassilissa den Tisch und wartete. Es begann zu dämmern, draußen zeigte sich der schwarze Reiter, und es brach die Nacht herein. Die Augen in den Schädeln begannen zu leuchten. Die Bäume ächzten, das Laub raschelte - Baba Jaga kam in ihrem Mörser gefahren. Wassilissa ging ihr entgegen und Baba Jaga fragte: «Ist alles getan?» - «Schau selbst nach, Großmütterchen!» Die Alte sah überall nach und ärgerte sich, daß sie keinen Grund fand zu tadeln: «Na gut», sagte sie. Dann stieß sie einen lauten Ruf aus, den Wassilissa nicht verstehen konnte. Von oben erschienen drei Paar Hände, ergriffen den Weizen und trugen ihn fort. - Baba Jaga aß sich satt und gab Wassilissa einen Auftrag: «Morgen machst du das gleiche wie heute, außerdem nimmst du vom Speicher den Mohn und säuberst ihn von der Erde, Körnchen um Körnchen. Es hat nämlich jemand aus Bosheit Erde darunter gemischt!» Sprach's und ging schlafen.

Wassilissa gab ihrer Puppe zu essen. Als sie satt war, sagte sie: «Sprich dein Gebet und lege dich schlafen; der Morgen ist klüger als der Abend. Alles wird wieder getan sein, liebe Wassilissa.»

Am nächsten Morgen fuhr Baba Jaga wieder in ihrem Mörser davon. Die Puppe half Wassilissa bei der Arbeit und beide waren bald damit fertig. Als die Alte abends heimkam, besah sie sich alles und rief: «Ihr, meine treuen Diener, meine lieben Freunde, preßt Öl aus dem Mohn!» Es erschienen wieder die drei Paar Hände, ergriffen den Mohn und trugen ihn fort. Baba Jaga setzte sich zum Essen und Wassilissa stand schweigend dabei. - «Warum sprichst du nicht mit mir?» fragte Baba Jaga, «Du stehst da, als wärest du stumm!» -«Ich traute mich nicht. Doch wenn du erlaubst, möchte ich dich gerne etwas fragen.» - «Frag nur! Nur führt nicht jede Frage zum Guten. Wer viel weiß, wird bald alt.» - «Ich möchte nur fragen, nach dem, was ich draußen sah. Als ich auf dem Wege zu dir war, ritt ein Reiter vorbei auf weißem Pferd, in weißer Rüstung: Wer ist das?» -«Der helle Tag!» - «Danach ritt ein anderer Reiter mit roter Rüstung auf rotem Pferd vorbei: Wer ist das?» — «Meine rote Sonne!» - «Und wer ist der schwarze Reiter auf schwarzem Roß, der vorbeiritt, als ich schon vor deinem Tore stand?» - «Meine dunkle Nacht. Alle drei dienen mir treu.»

Wassilissa dachte noch an die drei Paar Hände, - aber sie schwieg. «Warum fragst du nicht weiter?» fragte die Baba Jaga. -«Das genügt mir schon, Großmütterchen, hast du doch selbst gesagt: Wer viel weiß, wird bald alt.» - «Es ist gut, daß du nur danach fragst, was du vor dem Zaun draußen gesehen hast und nicht hinter dem Zaun drinnen! Ich habe es nicht gern, wenn man den Kehricht aus der Stube trägt und fresse jeden, der zu neugierig ist. -Aber jetzt frage ich dich: Wie bringst du es fertig, daß du mit allen Arbeiten fertig wirst, die ich dir auftrage?» - «Mir hilft der Segen meiner Mutter.» - «Ach, so ist das! Dann sieh zu, daß du schnellstens fortkommst. Gesegnete kann ich nicht brauchen.» Baba Jaga zerrte Wassilissa aus der Stube und stieß sie zur Tür hinaus. Draußen gab sie ihr vom Zaun einen Schädel mit brennenden Augen, steckte ihn auf einen Stock, gab ihn ihr und sagte: «Hier hast du Licht für die Stieftöchter, denn danach haben sie dich doch hergeschickt.»

Eilends machte sich Wassilissa auf den Heimweg. Durch den finsteren Wald leuchteten ihr die Augen des Schädels. Am Abend des nächsten Tages kam sie endlich nach Hause. Als sie sich dem Tore näherte, wollte sie den Schädel fortwerfen, denn sie dachte: Gewiß brauchen sie kein Licht mehr. Doch auf einmal war aus dem hohlen Schädel eine Stimme zu vernehmen: «Wirf mich nicht fort, bring mich zu deiner Stiefmutter.»

Als sie in keinem der Fenster zu Hause Licht erblickte, ging sie mit dem leuchtenden Schädel darauf zu. Es war das erste Mal, daß sie freundlich empfangen wurde; sie erzählten ihr, daß sie seitdem kein Licht und Feuer im Hause hatten. Wenn sie bei Nachbarn Licht geholt hätten, wäre es sogleich verloschen, sobald sie damit die Stube betraten. «Hoffentlich wird dein Licht brennen», sagte die Stiefmutter. Sie trugen den Schädel in die Stube, aber die brennenden Augen aus dem Schädel verfolgten und brannten die drei ganz fürchterlich. Wenn sie sich vor den stechenden Strahlen verstecken wollten, - die Augen folgten ihnen überallhin. Gegen Morgen waren die drei ganz zu Kohle verbrannt, - nur Wassilissa war unversehrt geblieben.

Am Morgen vergrub sie den Schädel in der Erde, verschloß das Haus und ging in die Stadt. Dort fragte sie eine alte Frau, die niemand zu versorgen hatte, ob sie bei ihr wohnen dürfe, bis ihr Vater heimgekehrt sei. Die Alte war's zufrieden, und sie lebten gut miteinander.

Es war Winter geworden.

Eines Tages sprach sie zu der Alten: «Mir ist ohne Arbeit die Zeit lang. Geh doch und kauf mir den besten Flachs, den will ich spinnen.» Die Alte kaufte schönen Flachs und Wassilissa setzte sich ans Spinnrad. Die Arbeit ging ihr flink von der Hand und der Faden wurde so fein wie Haar. Bald hatte sie schon eine Menge Garn gesponnen. Nun war es an der Zeit zu weben. Aber sie hatte keinen Webstuhl. Wassilissa bat ihre Puppe: «Bring mir einen Kamm und ein Schiffchen und was dazugehört.» Dann legte sie sich schlafen.

Die Puppe baute über Nacht einen herrlichen Webstuhl, und gegen Ende des Winters war alles zu wunderbarem Linnen gewebt. Im Frühling bleichten sie es. Dann sprach Wassilissa zu der Alten: «Großmütterchen, verkaufe das Linnen, das Geld kannst du für dich behalten.» - Die Alte beschaute das herrliche Linnen, schlug die Hände über den Kopf und sagte: «O nein, mein Kind! So feines Linnen darf kein anderer tragen als der Zar. Ich will es ins Schloß bringen.» - Die Alte ging zum Schloß und lief immerzu unter dem Fenster hin und her. Das sah der Zar von oben und fragte: «Was willst du, Alte?» - «O Väterchen Zar! Ich habe hier eine wunderbare Ware und will sie keinem zeigen als Euch allein.» Der Zar gebot, sie einzulassen. Als er das feine Linnen sah, war er ganz verwundert darüber und fragte: «Was willst du haben dafür?» «Dieses Linnen ist mit Geld nicht zu bezahlen, Väterchen Zar. Ich bringe es dir als Geschenk.» - Der Zar dankte der Alten und entließ sie mit Gaben.

Nun wollte man dem Zaren aus dem Linnen Hemden nähen, aber man fand keine gute Näherin. Sie suchten lange. Schließlich ließ der Zar die Alte rufen und sprach zu ihr: «Hast du es fertig gebracht, so fein zu spinnen und zu weben, so kannst du wohl auch die Hemden nähen.» - «Nicht ich, Herr, habe so fein gesponnen und gewebt. Das ist die Arbeit eines armen" Mädchens, das ich bei mir aufgenommen habe.» - «Dann soll die Hemden eben jenes Mädchen nähen», antwortete der Zar.

Die Alte kehrte heim und erzählte alles Wassilissa. Die sagte: «Ich wußte schon, daß diese Arbeit mir zufallen soll.» Sie ging in ihre Kammer, schloß sich ein, setzte sich an ihre Arbeit und nähte - ohne die Hände in den Schoß zu legen. Bald war das Dutzend Hemden fertig.

Inzwischen war es Sommer geworden.

Die Alte brachte die Hemden zum Zaren. Wassilissa wusch und kämmte sich, zog ihr gutes Kleid an und setzte sich ans Fenster. Da saß sie nun und wartete. - Auf einmal sah sie, wie ein Diener des Zaren sich dem Hause nahte. Als er eintrat, sagte er: «Der Zar will die Meisterin sehen, die ihm die Hemden genäht hat und will sie selbst belohnen.»

Als der Zar die wunderschöne Wassilissa erblickte, verliebte er sich sogleich in sie und sagte: «O du meine Wunderschöne! Von dir will ich mich nicht mehr trennen, werde du meine Frau!» — «Ich bin bereit, mein Zar, deinen Wunsch zu erfüllen. Nur kann ich nicht ohne den Segen meines Vaters heiraten.» - Als der Vater heimkehrte und von dem großen Glück seiner Tochter hörte, gab er ihr seinen Segen, und Wassilissa heiratete den Zaren.

Die junge Zarin nahm die Alte zu sich und auch ihren Vater. Ihre Puppe trug sie immer bei sich - bis an ihr Lebensende.

=> Zu einem russischen Original im Netz <=
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