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Ethische Grundaussagen
Ralf am 04.08.2007 18:04:38


Präambel

Die vier Fachverbände der Behindertenhilfe legen ethische Grundaussagen zum Lebensrecht behinderter Menschen vor.

Die in den letzten Jahre neu bzw. wieder aufgetretene Diskussion über den Wert behinderten Lebens gefährdet nicht nur die Lebensmöglichkeit von Kindern, die pränatal oder perinatal von einer schweren Behinderung bedroht oder betroffen sind, sondern sie stellt auch den Lebenssinn und die Existenz aller behinderten Menschen in Frage.

Gegenüber den Errungenschaften und Erkenntnissen der modernen Biologie und Medizin, die einen bisher nicht gekannten technologischen Zugriff auf den Menschen gestatten, kann heute nicht mehr auf allgemein verbindliche ethische Grundüberzeugungen in unserer Gesellschaft zurückgegriffen werden, die die Unverletzlichkeit und den unbedingten Schutz behinderten Lebens garantieren. Die in diesem Spannungsfeld auftretenden individuellen und gesellschaftlichen Konflikte verschwinden häufig hinter Nützlichkeitsargumenten und der Euphorie über das technologisch Machbare. Damit wird jedoch der Blick auf die Betroffenen und deren Bedürfnisse ‑ letztlich die einzig leitende Perspektive ‑ verstellt.

Das Anliegen der nachfolgenden Ausführungen ist es, im Sinne einer Anwaltschaft für das Lebensrecht derer einzustehen, die nicht für sich selbst sprechen können und damit auf die Verantwortung der Gesellschaft und des Einzelnen aufmerksam zu machen.

Ethische Grundaussagen der vier Fachverbände der Behindertenhilfe

1. Jeder Mensch ist individuell und im Hinblick auf ihn selbst, auf sein Lebensumfeld und seine Gemeinschaft einmalig. Menschliches Leben ist niemals nur biologisches Leben, sondern von Anfang an im biographischen Sinn als individuelles Leben zu verstehen.

Menschliches Leben beginnt mit der Zeugung. Mensch ist, wer vom Menschen geboren ist.

2. Jeder Mensch ist Person und als solche einzigartig und unverwechselbar. Der Entwicklungsstand einer Persönlichkeit kann nicht als Kriterium für das Menschsein herangezogen werden.

3. Die Einzigartigkeit menschlichen Lebens verbietet es, die Würde des Menschseins durch den Vergleich mit anderen Lebewesen, ihren Lebensformen und ‑interessen in Frage zu stellen.

4. Für Christen ist jeder Mensche ein Geschöpf Gottes. Sein Dasein ist Absicht Gottes und hat Zukunft über das Leben hinaus. Ein Geschöpf Gottes zu sein begründet Menschenwürde und unbedingtes Lebensrecht.

5. In Übereinstimmung mit religiösen und naturrechtlichen Kategorien gelten die Grundrechte unserer Verfassung uneingeschränkt für alle Menschen. Für Menschen mit einer Behinderung darf es keinerlei diskriminierende Sonderregelung geben.

6. Es ist normal, verschieden zu sein. Jeder Mensch erfüllt seine Lebensaufgabe für sich selbst und andere‑ unabhängig davon, ob er behindert ist oder nicht.

7. Das Lebensglück eines Menschen kann nicht normativ bestimmt werden, sondern es hängt von seinem eigenen Erleben ab.

8. Behinderung ist keine von sog. Normalität abgrenzbare Existenzform. Menschen mit einer Behinderung können ebenso sinnerfüllt und glücklich leben, wie es nichtbehinderte Menschen können.

Ein Leben unter erschwerten Bedingungen, auch unter schwierigsten Voraussetzungen, darf nicht den Schluß erlauben, daß sein Träger diese Lebensbedingungen nicht annehmen will.

9. Leiden und Wohlbefinden gehören zum Menschen und seiner Lebensgeschichte. Leiden istAnlaß, Hilfen zu geben, die lebensfördernd und nicht lebensvernichtend sind.

10. Das Bemühen um die Minderung von Leid darf nicht den Leidenden selbst in Frage stellen oder beseitigen wollen.

11. Sowohl im privaten Lebensraum als auch in der Teilnahme am öffentlichen Leben müssen Menschen mit geistiger Behinderung, wie alle Menschen, ein ihrer Würde, ihren Bedürfnissen und ihrer Individualität angemessenes Leben führen können.

12. Allen Abgrenzungsversuchen über Lebenswert und Lebensrecht ist eine entschiedene Absage zu erteilen. Zweckmäßigkeitserwägungen und Drittinteressen müssen ausgeklammert bleiben. Auch schwerstgeschädigte Neugeborene dürfen nicht getötet oder dem Sterben überlassen werden. Behinderung darf kein Grund zum Schwangerschaftsabbruch sein.

13. Die Gesellschaft ist unteilbar: Für alle Menschen sind gleichwertige Lebensbedingungen, Unterstützung und Hilfen zu schaffen. Kosten‑ und Nutzenkriterien dürfen bei Entscheidungen über behindertes Leben keine Rolle spielen. Das Gleichbehandlungsgebot und das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit zielen auf eine Normalisierung der Lebensbedingungen.

Maßgebend sind die individuelle Persönlichkeit und, die Bedürfnisse, die sich aus Art und Schwere der Behinderung ergeben.

14. Wo eine Behinderung lebenseinschränkend wird, weist sie primär nicht auf den behinderten Menschen, sondern auf ein Defizit in dessen sozialem bzw. gesamtgesellschaftlichem Umfeld hin. '

15. Je mehr die Gesellschaft bereit ist, geistig behinderten Menschen eine umfassende Teilhabe in allen Bereichen zu eröffnen, desto weniger werden diese Menschen durch ihre Schädigung wirklich zu benachteiligten Behinderten.

16. Experimente an menschlichem Leben sind zu verbieten. Menschliches Leben, auch vorgeburtliches Leben, darf nicht geopfert werden. Grundrechte dürfen nicht Forschungsinteressen untergeordnet werden.

17. Neue Erkenntnisse der Gentechnik dürfen nicht dazu verwendet werden, behindertes Leben abzuwerten, indem es zu einem vermeidbaren Risiko auf dem Weg zum scheinbar möglichen, leidfreien Leben erklärt wird.

November 1994


Die vier Fachverbände der Behindertenhilfe in Deutschland

Verband für Anthroposophische Heilpädagogik Sozialtherapie und Soziale Arbeit e. V.
Verband Evangelischer Einrichtungen für Menschen mit geistiger und seelischer Behinderung e. V.
Verband Katholischer Einrichtungen für Lern- und Geistigbehinderte e. V. - Telefon: (07 61) 2 00-0
Bundesvereinigung Lebenshilfe für geistig Behinderte e. V.




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