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2. Zivildienst am Europäischen Haus Irkutsk
Ralf am 23.10.2007 16:30:55


Die nachfolgende Zusammenstellung ist mit freundlicher Genehmigung von Frau Katharina Leicht aus der Festschrift zum 20-jährigen Jubiläum der "Deutsch-Russischen Gesellschaft Pforzheim und Enzkreis" (Link siehe unten) entnommen. Herzlichen Dank !

ZIVILDIENST AM EUROPAISCHEN HAUS

Eines der erstaunlichsten und nachhaltigsten Projekte, die das Europäische Haus nach sich zog, war die Einrichtung einer Zivildienststelle.

Als 1998 das Europäische Haus in Irkutsk eröffnet wurde, war es noch ein Traum von uns, dass dort einmal junge Männer ihren Zivildienst leisten würden. Mit Unterstützung der Evangelischen Badischen Landeskirche und ihrem Mitarbeiter Jürgen Stude gelang es tatsachlich, die Anerkennung für eine solche Stelle vom Bundesamt für Zivildienst zu erhalten.

Die Konzeption dieser Friedensdienst-Stelle sah vor, dass der ,,Zivi” bei mehreren, am Europäischen Haus als Mitglied eingetragenen Organisationen arbeiten soll. Als Haupttätigkeitsbereich erwies sich jedoch die Arbeit im heilpädagogischen Dorf ,,Istok - Quelle”, 30 Kilometer außerhalb von Irkutsk, weil dort Arbeitskräfte am dringendsten gebraucht wurden.

Das Dorf ,,Istok” wurde im Herbst 1999 von Eltern und Lehrern gegründet und der Staat stellte ihnen das Gelände einer ehemaligen Atom-Raketenbasis zur Verfugung. Parallel zum Ausbau des ersten Wohnhauses musste der Ort von ,,Überbleibseln” der sowjetischen Armee geräumt werden. Tonnenweise Schrott wurde beseitigt, Kartoffeln und Gemüse gepflanzt, mit einer Kaninchen- und Hühnerzucht begonnen.

Im Herbst trat Sebastian Muller dort seinen ,,Anderen Dienst im Ausland” an. Noch gab es in dem Dorf keinen Strom und auch kein fliegendes Wasser, ~geschweige denn ein Telefon oder Fernseher. Um an seinen freien Tagen nach Irkutsk zu kommen, musste er sieben Kilometer bis zur Verbindungsstraße meistens zu Fuß zurücklegen - im Winter durch tiefen Schnee, im Frühjahr durch Schlamm. Er half in der schweren Aufbauzeit engagiert mit und die Eltern der behinderten Jugendlichen waren darüber sehr froh.

Drei Jahre später, im August 2003, kam Tim Mergelsberg in das Dorf, nachdem er zuvor in zwei sechswöchigen Intensivkursen Russisch gelernt hatte. Strom- und Wasserleitungen waren inzwischen verlegt worden, aber entbehrungsreich ist das Leben dort auch heute noch.

Wahrend des außergewöhnlich strengen Winters 2003/04 arbeitete Tim meistens in dem Dorf und dabei fing er an, ein Projekt zu planen, das über die Zeit seiner Anwesenheit hinaus für das Dorf eine dauerhafte Einrichtung sein sollte. Wenige Monate nach Beendigung seines Pflichtjahres fuhr er wieder dorthin, um seine Idee zu verwirklichen.

Alle seine Erfahrungen fasste er in einer Bildreportage "Schwerter zu Pflugscharen” zusammen und im Januar 2007 erhielt er dafür den 2. Preis des Europawettbewerbes der Pforzheimer Volksbank.



Aus TIM MERGELBERGS BERICHT ÜBER SEIN LEBEN ALS ,,ZIVI” IN SIBIRIEN
(1.7. 2003 - 1.7.2004)


Dorfgemeinschaft "Istok"


Es ist paradox, seinen Friedensdienst an einem Ort abzuleisten, wo noch wenige Jahre vorher sowjetische Soldaten lernten, atomar bestückte Raketen zu bedienen, mit denen sie meine Hälfte der Welt hätten auslöschen können.

Es ist paradox, dass auf einem ehemaligen Raketenstutzpunkt der Sowjetarmee ein für Russland einmaliges Projekt entstand: ,,Talisman-Istok”, ein Dorfprojekt, in dem Behinderte mit Würde behandelt und ihre Fähigkeiten gefordert werden. Auch Sibirien erscheint oft paradox - das erfuhr ich während meiner einjährigen Zeit in Irkutsk und am Baikalsee. Die offizielle Einsatzstelle war das ,,Europäische Haus” in Irkutsk, von wo aus ich an mehrere Einrichtungen vermittelt wurde.



1. DAS DORF ,,ISTOK”

Rund 3/4 des Jahres verbrachte ich in diesem Dorf. Bei meiner Ankunft stand das Dorf durch Mitarbeitermangel in großen Schwierigkeiten. Dadurch wurde ich sehr bald stark herausgefordert und beansprucht.

Die Holzwerkstatt leitete ich ab Ende November alleine. Sie bildet in der täglichen Arbeit das Herzstück. Zeitweise war ich mit sieben, teils nicht einfachen, Betreuten alleine. Die Arbeit hier bot zweifelsohne große Chancen für meine persönliche Entfaltung. Dennoch fühlte ich mich von den großen Herausforderungen, mit denen man als Leiter einer Holzwerkstatt konfrontiert wird, oft überfordert Dies verstand ich allerdings mehr als eine interessante Grenzerfahrung denn als ein unlösbares Problem. Gleichzeitig hatte ich mit der Tierhaltung einen weiteren nicht unwesentlichen Bereich zu betreuen.

Ich arbeitete ohne geregelte Arbeitszeiten, ohne Feierabend und Wochenende. ... Im Dezember war ich mit einem therapeutisch unwilligen Mitarbeiter und den Betreuten alleine im Dorf Ab Februar bekam ich von einem weiteren jungen Mann aus Deutschland in allen meinen Aufgaben große Unterstutzung. Schnell spielten wir uns als gutes Team ein, so dass Aufgaben und Lasten auf nun vier Schultern verteilt waren

Gegen Ende des Zivildienstes ergab sich die Möglichkeit, für das Dorfprojekt eine neue Werkstatt, in der die Betreuten traditionelle Birkenrindendöschen herstellen sollen, aufzubauen. Dadurch konnte für Istok ein neuer Markt erschlossen werden. Finanziell wäre das für das Dorf und für die Entwicklung der Betreuten ein großer Schritt. Eine erste Probeproduktion lief daher schon in der abschließenden Zivi-Zeit an.

Im Herbst und Winter 2004/2005 kam ich für den Aufbau dieser Werkstatt und zur Einarbeitung der Mitarbeiter erneut für einige Monate in das Dorf zurück.



2. VEREIN ,,WOZROSHDFNJE SEMLI SJBJRSKOJE” (WSS — ,,WIEDERGEBURT SIBIRIENS”)

In dieser Organisation, die sich für ökologische und gesellschaftliche Belange in der Region einsetzt, arbeitete ich von Januar bis Juni zwei Tage pro Woche……..

Ich wurde für den Kontakt mit IKEA zuständig. IKEA siedelte sich zu der Zeit in Irkutsk an, um die großen Ressourcen der Taiga zu nutzen. Die WSS sah ihre Aufgabe in einer Kooperation mit IKEA, um nachhaltig und legal Holz zu gewinnen und somit eine Vorbildfunktion in der Region zu schaffen.

Des weiteren wurde ich damit betraut, eine Broschüre zu erstellen, in der die wichtigsten Fakten zum Thema ,,Nachhaltiges Büro” zusammengefasst sind und daraus einen Leitfaden zu erstellen. Diese Arbeit wurde zum Grogteil ins Russische übersetzt.



3. NIKITA UND NATASCHA BENCHAROV

Durch meine dritte Arbeitsstelle konnte ich den Baikalsee auf der größten Insel ,,Olchon” im Laufe der Jahreszeiten erleben. Bei Nikita und Natascha Bencharov arbeitete ich das Jahr über jeweils einige Wochen blockweise. Bencharovs sind Pioniere für den ,,sanften” Tourismus und fuhren neben der ,,Tourbasa”, einer Art Herberge, viele soziale Projekte durch. Ich war dort im Bau und in der Wirtschaft beschäftigt und arbeitete mit den Dorfkindern von Chuschir, nahm an Bildungsprogrammen (Deutschunterricht) für sie teil und einer Kinder-Umwelt-Gruppe, wo ich die Vorbereitungen und Durchführung eines Theaterstuckes begleitete.

Resümee: Ein Zivildienst im Ausland ist mit viel Aufwand und Arbeit verbunden - in der Vorbereitung und im Dienst selbst

Dem gegenüber stehen Erfahrungen und Grenzerlebnisse, Freuden- und Frustmomente. Freizeit zu erkämpfen war stets eine emotionale Gratwanderung und die Woche für Woche neu auftretenden Probleme und Katastrophen im Dorf machten oftmals einen Rhythmus und ein geregeltes Arbeitslehen zunichte.

Ein Trostpflaster in schwierigen und einsamen Zeiten war gewiss die zauberhafte Natur Sibiriens. Besonders der Winter in seiner klirrenden Klarheit und Mächtigkeit boten Möglichkeiten zum Staunen und Fotografieren.

26.Oktober 2004 Tim Mergelsberg



Aus SEINEM BRIEF ÜBER DIE EROFFNUNG DER BIRKENRINDENWERKSTATT IM MÄRZ 2005

Hallo liebe Freunde!

Nun sind zwei Monate ins Land gegangen, in denen ihr wenig von mir gehört habt.

In diesen Monaten war ich nicht mehr allein in Irkutsk, seit Januar haben Jakob und ich uns Erfolge und Sorgen in der Arbeit geteilt und unsere Arbeit wurde zu einem gemeinsamen Projekt... Und die Arbeit sollte auch Fruchte tragen: Am Samstag konnten wir die Birkendosen-Werkstatt, für die wir zuletzt im Rekordtempo arbeiteten, offiziell eröffnen.

Von nun an kann das Soziale Dorfprojekt ,,Istok” kleine Döschen aus Birkenrinde produzieren, die in Sibirien in jahrhundertealter Tradition kunsthandwerklich gefertigt werden. Die Generalprobe hat die Werkstatt bereits bestanden, die ersten Doschen wurden schon hergestellt. ... Bei guter Organisation und durchschnittlicher Auslastung können leicht 20 Dosen täglich von rund vier Betreuten hergestellt werden. Selbst wenn diese Zahl zu Beginn mit Sicherheit nicht erreicht werden kann, so wird die jährliche Stückzahl doch im vierstelligen Bereich liegen. Somit konnten wir eine Produktionsstätte aufbauen, die hier hinter dem Ural eine Neuerung bedeutet: Eine sozialtherapeutische Werkstatt für Seelenpflegebedürftige mit durchstrukturierter Großproduktion....

Neben der Masse hatten wir noch zwei Hauptanforderungen zu meistern. Zum einen müssen alle Produkte einen stets gleich bleibenden Qualitätsstandard einhalten. Bei einem Produkt, hergestellt von Menschen, deren Zahlenverständnis und Feingefühl eingeschränkt ist, wo allerdings schon im Millimeter-Bereich Ungenauigkeiten hervorgerufen werden können, ist das nicht einfach. Nicht allein wegen der Serienproduktion mussten wir also mechanisieren. Maschinen und Stanzen mit eindeutigen Anschlägen geben unseren Betreuten die Möglichkeit, mit etwas Training genau arbeiten zu können. Doch eine Mechanisierung kann auch gefährlich sein und unser Ziel war es, keine tote Fabrik im großen Stil aufzubauen, in der Mensch und Produkt voneinander abgekoppelt sind.

In einem Sozialen Dorfprojekt steht die Hilfe in der Entwicklung der Betreuten im Mittelpunkt der Aufgaben, auch wenn ein Arbeitsresultat erforderlich ist. Doch stellt sich die Werkstatt als funktionstüchtig heraus, kann die Arbeit der Betreuten zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor für das Dorf werden

Aber wie baut man eine Maschine, die Massenproduktion, Qualität und Sozialtherapie miteinander verbindet? Und dazu noch ohne Geld und in Sibirien. Als Westler muss man sich erst noch daran gewöhnen, nicht in einen Baumarkt gehen zu können und einfach seine Einkaufsliste abzuhaken. Die Baumärkte hier bieten ein Paradies für Bummler, doch wenn man ein bestimmtes Produkt sucht, kann man sich tagelang verirren. Dabei geht hier nichts ohne Kontakte und hatte ich nicht mit der Zeit so viele Menschen kennen gelernt, die mir auf verschiedenste Art und Weise geholfen haben, wäre es unmöglich gewesen, eine Werkstatt aufzubauen. Daraus haben sich viele Freundschaften entwickelt, und der baldige Abschied macht ein bisschen traurig.

Doch auch mit Freuden komme ich nach Europa, derzeit ist das bevorstehende Lander- und Kulturraumstudium in Passau weniger präsent in meinen Gedanken, als auch die Fortführung der Arbeit mit den Birkendöschen: Zusammen mit einem Bremer Lehrer werde ich den Vertrieb der Döschen in Deutschland übernehmen. Bald werde ich euch die Adresse der Homepage und die Bezugsadresse mitteilen können.

Sonnig-warme Grüße, zum letzten Mal aus Irkutsk

Euer Tim


Inzwischen ist Tims Homepage eingerichtet:
=> sagaan - die Heilkraft der Natur <=


Bericht zusammengestellt von Katharina Leicht
=> Deutsch-Russische Gesellschaft Pforzheim und Enzkreis <=




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