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PETER MARTI: WESHALB AUSGERECHNET SIBIRIEN ?
Ralf am 04.08.2007 16:18:56


Mit dem folgenden Bericht gibt Peter Marti einen persönlichen Einblick in die Entstehung dieser Zusammenarbeit zwischen Ost und West und in die Entwicklung der Arbeit im fernen Sibirien.

Ein lang gehegter Wunsch sollte im April 1992 in Erfüllung gehen. Damals reiste ich gemeinsam mit einem Freund mit der längsten Eisenbahn der Welt, der Transsibirischen, von Moskau nach Irkutsk. Georg Müller kannte die Stadt wie ein alter Hase, und hatte schon viele Kontakte zu den verschiedensten Leuten, welche die heilpädagogische Schule Talisman in dieser ostsibirischen Stadt ins Leben gerufen haben.

Nie hätte ich mir ein Engagement in Sibirien und schon gar nicht bei Talisman erträumt. Wie die Leserin und der Leser mehr und mehr erfahren werden, blieb es damals nicht bei der Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn, bei Besichtigungen in und um Irkutsk und dem üblichen Ausflug an den Baikalsee. Mein Freund wollte mich unbedingt an den Besprechungen mit den Talisman-Leuten, es waren vor allem Mütter, mit dabei haben. Er verstand es bestens, mich in diesem Gremium einzuführen. Und nicht nur das! Er hatte auch das besondere Flair, mich für ein Mitwirken zu begeistern. Sicher waren es auch die Menschen und das gegensätzliche, immense, geheimnisvolle Land, welche mich faszinierten und neugierig machten. Damit ist auch schon andeutungsweise die im Titel gestellte Frage beantwortet.

Welche meiner Lebenserfahrungen waren unter anderen wertvoll für die Arbeit in Sibirien? Auf der einen Seite ca. dreissig Jahre Berufserfahrungen, die eher materiell ausgerichtet waren, rational, leistungsbezogen, ziel- und systemorientiert. Ziele galten nur als solche, wenn sie messbar waren. Mehr und mehr wurde auch das Miteinander und das Einbeziehen der Mitarbeiter als wichtig erkannt. In den letzten Jahren meiner beruflichen Tätigkeit wurde ich oft als Troubleshooter in irgendeinen Landesteil beordert. Solche anspruchsvolle und immer mit Überraschungen gespickten Einsätze lagen mir besonders, und ich liebte diese Aufgaben. – Auf der anderen Seite lernte ich die Anthroposophie kennen. Unsere Kinder besuchten die Rudolf-Steiner-Schule in Biel. Als ich zu Talisman stiess, war das bereits zwanzig Jahre her.

Erste Fragen und Erfahrungen

Im April 1992 nahm die Sibirien-Odyssee wie erwähnt ihren Anfang. Etwas ganz Neues und Spannendes kam zum Bisherigen hinzu. Zum Beispiel die Eigenheiten Russlands mit seinen Menschen, welche durch die Vergangenheit und das extreme Klima anders geprägt sind als wir. Was uns wichtig und bedeutend erscheint, hat für sie vielleicht einen ganz anderen Stellenwert. Auch die Heilpädagogik und später die Sozialtherapie waren zum bisherigen Berufsleben für mich eine komplett neue Herausforderung.

Wie sollte ich in diese neue Aufgabe einsteigen? Diese Frage schien mir sehr wichtig. Wie gebe ich mich als Schweizer im Land der grossen Gegensätze? Wie komme ich an die Menschen heran? Wie soll ich mich verhalten, damit ich akzeptiert werde? Geld war und ist ja bei der Unterstützung auch im Spiel. Druck ausüben durch finanzielle Mittel? Ihr müsst...!? Fordern ja, aber nur wenn es angebracht ist, und der Sache dienen kann.

Bis 1996 war das Mitwirken in Russland – zu Hause noch im Berufsleben stehend – relativ einfach. Nur kurz war ich jeweils während der Ferien bei den Leuten in Sibirien. Wir sassen zusammen am Tisch bei Tee und Gebäck und tauschten Gedanken aus. Alles geschah in angenehmer und entspannter Atmosphäre.

Anfangs Oktober 1996 – gleich nach der Pensionierung – flog ich für drei Monate nach Irkutsk. Damals noch mit einer Zwischenlandung in Omsk am Irtisch. Heute kann man z.B. vom Flughafen Domodedovo in Moskau ohne Zwischenhalt nach Irkutsk fliegen

Kaum angekommen, wollte ich den Leuten zeigen, dass ich auch mit Schaufel und Pickel Hand anlegen kann. Das war im Schulgarten. Harter körperlicher Einsatz, und wie! Ich bekam Rückenprobleme. Wollte meine Schmerzen um jeden Preis verbergen. Arnika-Massageöl leistete mir sehr gute Dienste dabei. Bald kam der Winter – der sibirische! Der Boden gefror – zum Glück für meinen lädierten Rücken. Eine neue Aufgabe kam dazu: Arbeiten in der warmen Holzwerkstatt mit behinderten Kindern.

Ost und West finden sich

Mit dem ersten praktischen Einsatz kam auch die Einsicht. Die kleine Schule war chaotisch, unstet, unordentlich, das Rhythmische fehlte. Die Schule wurde in den vorhergehenden Jahren mehrmals erschüttert und stand knapp vor dem Aus. Die Leute, vor allem Frauen, gaben ihr Bestes, jedoch waren sie für die neue Aufgabe im schwierigen Umfeld Russlands überfordert.

Ein Westler kam, von aussen, wenig behaftet mit den Alltagsproblemen. Er kam aus einem Land, wo alles bestens organisiert und strukturiert ist, wo sogenannte „Ordnung“ herrscht. Wie oben beschrieben, hatte er Berufserfahrung im Analysieren, im systemorientiert Denken, im Gliedern, im Organisieren, im Strukturieren. Nicht mehr ganz so jung kam der Westler zu diesem für die Schule sehr kritischen Zeitpunkt nach Irkutsk. Vielleicht besaß er aber doch noch die nötige Beweglichkeit für eine derartige Aufgabe. War er beharrlich, besass er genug Durchsetzungsvermögen? War er bereit, Neues zu lernen? Einfühlungsvermögen müsste in einem Anforderungsprofil als hoch eingestuft werden. Besaß er in schwierigen Situationen die nötige Geduld?

Ob ich all diese Tugenden mitbrachte, müssten die Leute vor Ort beurteilen. Gefühlsmässig glaube ich, sagen zu dürfen, dass wir gemeinsam das Gleichgewicht zwischen all den Extremen recht gut gefunden haben.

Die zwischenmenschlichen Voraussetzungen wurden aufgebaut. Von Jahr zu Jahr konnten wir die Talisman-Schule miteinander weiter entwickeln. Das geschah zuerst durch die Erweiterung der Räumlichkeiten. Eine Holzwerkstatt wurde gebaut. Ein für viele Zwecke sehr nützlicher Raum: Für Werkunterricht, für Theaterdarbietungen, um Jahresfeste zu feiern, Leute der Öffentlichkeit zu bewirten und vieles mehr.

Aufbauarbeit

Unsere Werklehrerin heisst Natalja Kulakowa und ist ausgebildete Tierärztin. Sie war in einem sibirischen Dorf bei Usolje Sibirskoje tätig und hat ihre Tätigkeit als Veterinärin sehr geliebt. Wowa, ihr Sohn, kam zur Welt, behindert. Wowa hat das Leben seiner Mutter verändert. Später hörte Natalja von Talisman und sie kam nach Irkutsk. Erste Gespräche mit Pädagogen von Talisman fanden statt. Natalja Kulakowa entschied sich für Talisman, das heisst vor allem für die Förderung von Wowa. Natalja ist heute eine der tragenden Kräfte der Schule. Ihren Beruf als Veterinärin übt sie weiter aus. Unsere sozialtherapeutische Dorfgemeinschaft Istok schätzt das sehr. Der Tierbestand im Dorf nimmt stetig zu.

Um die Schulräumlichkeiten zu erweitern, konnte im angrenzenden Mehrfamilienhaus eine Wohnung erworben werden. Hier wurde die Schulküche eingerichtet, zwei gediegene weitere Schulzimmer und ein Aufenthaltsraum entstanden.

Das Erscheinungsbild der Schule schien uns wichtig. Die Umgebung der Schule wurde umgestaltet und wurde ein erfreulicher Blickfang im eher heruntergekommenen Irkutsker Stadtteil Marata. Aber auch der innere Zustand, die Qualität der Heilpädagogik, hatte eine hohe Priorität. Engagierte MitarbeiterInnen kamen zu Talisman. Aus- und Weiterbildung wurde unterstützt. Besuche vom Seminar „Zentrum Maria“ für Heilpädagogik wurden ermöglicht, interne Seminare wurden abgehalten. Auch Einblicknahme und Lernen im Westen wurde gefördert.

1997 begann die Arbeit am Leitbild. Der Leser im Westen wird aufhorchen. Diese Arbeit dauert bereits 10 Jahre. In geschriebener Form besteht das Leitbild auch heute noch nicht vollständig. Uns scheint der Prozess wichtig, die gemeinsame Arbeit am Leitbild und wie dieses entsteht. Es soll im Wirken präsent bleiben. Verschiedenes wird durch diese Arbeit angestrebt: Was wollen wir gemeinsam erzielen? Gemeinschaftsbildung, aufeinander eingehen, zuhören können, sachbezogenes Diskutieren, tieferes Eingehen auf Probleme, welche uns beschäftigen und wozu im Alltäglichen die Zeit fehlt. Literatur kommt auch zum Zug, je nach Jahreszeit und Gegebenheiten. Wir versuchen, uns abzuheben vom Alltag, einen anderen Blickwinkel zu gewinnen. Die Leute schätzen es, bei dieser Arbeit jemanden dabei zu haben, der nicht zu stark im Alltäglichen steht.

Parallel zur Leitbildarbeit befassen wir uns bewusst mit den Entwicklungsphasen einer Initiative. Literatur von Bernard Lievegoed, Friedrich Glasl und ein Titel „Ziele – Wünsche – Taten“ waren bzw. sind uns wegweisend bei dieser Arbeit. Die örtlichen Eigenheiten versuchen wir aber immer zu berücksichtigen. Mit der Pionierphase und Differenzierungsphase haben wir uns eingehend befasst und sie in die Praxis umgesetzt. Jetzt steht die Schule im Übergang in die Integrationsphase. Ein Organigramm entstand, ein bildhafter Überblick über die Organisationsstruktur.

Landschaften, Menschen...

Der Westler reist sehr gerne. Oft hat er Fernweh. Da bietet Russland, Sibirien, fast unbegrenzte Möglichkeiten. Ferner Osten, hoher Norden und natürlich der Baikalsee, fast so gross wie mein Herkunftsland Schweiz. Unvergesslich bleiben Reisen nach Russisch-Karelien, auf die Insel Solowki im Weissen Meer mit seiner dramatischen Vergangenheit. In den Fernen Osten, eine Schifffahrt auf dem Amur. Jakutsk am weiten Bogen der eindrücklichen Lena. Allein schon diese immensen Ströme, Angara, Jenissej, Ob, Amur und natürlich Mütterchen Wolga, in der Erinnerung vorbeiziehen zu lassen, lockt. Ausschweifen in die Ferne empfinde ich als hilfreich für die Arbeit. Abstand nehmen, Land und Leute in einem weiteren Umkreis kennen lernen. Überdenken des ganzen Geschehens. Zudem sollen die Talisman/Istok Teams mehr und mehr unabhängig werden.

Sie haben soeben eine weitere Antwort auf die eingangs gestellte Frage, „Weshalb ausgerechnet Sibirien?“ gelesen. Nur soll das Ausschweifen in diesem Bericht nicht zum Hauptthema werden, an spannenden Erlebnissen würde es nicht fehlen.

Besuchen wir zwischendurch den Malunterricht von Tatjana Gerasimowa. Tatjana ist ursprünglich Architektin. Kostja ihr Sohn, ist behindert und besuchte die Talisman Schule. Heute ist er um die zwanzig und lebt im Dorf Istok. (Istok nahm 1999 seinen Anfang, denn die Schulabgänger sollten in einer Dorfgemeinschaft leben können). Tanja hat langjährige Erfahrung, sie ist eine der Gründungsmütter von Talisman. Tanja hat die heilpädagogische Ausbildung im Seminar „Zentrum Maria“ absolviert. Auch im Westen war sie einige Male. Seit geraumer Zeit doziert sie auch selbst am Seminar.

Im Raum für Malunterricht ist alles bestens vorbereitet. Die kleinen Tische sind abgedeckt mit Zeitungspapier. Die Schüler der 10. Klasse setzten sich an die Tische. Auf dem Bild von links nach rechts: Vitja, Hilfslehrerin Mascha (Studentin in Staatsausbildung), Anastasija, Igor, Hilfslehrerin Tamara, Anton. Mascha ist Anastasija, Tamara ist Anton behilflich. Eine andachtsvolle Stimmung erfüllt den Raum. Tatjana Gerasimowa begrüsst jedes einzelne Kind zum Unterricht. Sie zeigt und erklärt, was heute das Thema im Malunterricht ist: Bäume in bunten Herbstfarben. Wieder jedem persönlich überreicht Tanja Malbogen, Pinsel, Wasser und die einzelnen Farbtöne der Wasserfarben. Mit Igor, er ist Autist und ein wahrer Künstler im Malen und Formen, malt Tatjana auch in der Natur.

Die Natur! Hier muss ich etwas Besonderes erwähnen – einen Baum! Was hat ein Baum mit der Arbeit in Sibirien zu tun? Wenn es um Sibirien geht, kann es kein anderer Baum als die Birke sein, auf Russisch Biriosa. Soll ich das einflechten in den Bericht, frage ich mich. Erst kürzlich las ich im „Goetheanum“ unter der schlichten Überschrift „Die Birke“ einen Artikel „Durch die Betrachtung zur Imagination“. Ob der Autor sich eventuell sogar in einem Birkenwald in Sibirien aufgehalten hat und diese besondere Stimmung auf sich einwirken lassen konnte? Der Baum als Kraftspender! Die Birke hat etwas Erfrischendes.

Nirgends habe ich die Birke so rein angetroffen wie in Sibirien. Im Wald in der Gemeinschaft, die hohe schlanke Erscheinung mit den feinen Verästelungen. Das reine Weiss der Rinde mit den Tupfern. Über den Wipfeln je nach Licht, ja was ist es? Nicht einfach zu beschreiben, ist es vielleicht eine Farbaura? Dann eine allein stehende Birke auf der Insel der Jugend in der Angara, die ich oft besuche. Die Birke passt eigentlich hervorragend zu unserer Arbeit. Die Birke ist der Inbegriff, Neues in Angriff zu nehmen!

...und Feste

Feste feiern in Sibirien, bei Talisman und Istok – ein ganz besonderes Kapitel!

Erster September – nach langen Sommerferien beginnt ein neues Schuljahr in ganz Russland. Der diesjährige 1. September fällt auf einen Samstag, dennoch will man an dieser Tradition unbedingt festhalten. Das heisst am Samstag, den 1. September 2007 erscheinen alle Schüler, Lehrer, Eltern, Geschwister, Grosseltern und Verwandte, und das Schuljahr 2007/08 nimmt seinen Anfang.

Es ist ein Feiertag besonderer Art bei Talisman. Die schönsten Kleider werden getragen, vielleicht konnte sogar etwas Neues besorgt werden. Begrüssung im Kreis um die Kerze, Elena Anatoljewna, Vorsteherin der Schule, heisst die Kinder und alle übrigen Anwesenden willkommen. Jede Klassenlehrerin stellt ihre Kinder vor und begrüsst jedes persönlich. Es folgen weitere Ansprachen. Falls der Schweizer sich gerade in Irkutsk aufhält, wird auch von ihm eine Ansprache erwartet. Alle kennen Piter, wie sie mich nennen.

Anschliessend beziehen die Klassen ihre schön dekorierten Schulzimmer. Ferienerlebnisse werden erzählt, vielleicht entsteht sogar eine Zeichnung über ein besonderes Erlebnis. Bei Tee und Kuchen gibt es noch ein gemütliches Beisammensein. Zu den Kindern stossen Eltern und Verwandte. Auch Singen gehört dazu, eine fröhliche Gesellschaft, typisch russisch. Der erste Schultag geht zu Ende.

Jahresfeste feiern ist immer ein Höhepunkt. Aufführungen zu Michaeli oder Weihnachten stehen an. Es wird geübt, im Handarbeitsunterricht entstehen Kostüme. Die Schule mit Kindern und Lehrern, Eltern und Verwandte fahren ins Dorf Istok (Quelle). Auf dem Nikolskij Trakt geht es 40 Kilometer in nordwestlicher Richtung aufs Land. Im Bus vereint mit strahlenden Gesichtern, erreichen wir das ehemalige Gelände der Sowjetarmee.

Aufführungen in der Dorfgemeinschaft Istok

Auf einer alten Abschussbasis für Mittelstreckenraketen hat vor etwa acht Jahren die Sozialtherapie Einzug gehalten – welch ein Gegensatz! Auf einem Gelände von ca. 20 ha ist ein Dorfleben entstanden. Dies war wiederum viel Aufbauarbeit auf einem für Russland komplett neuen Gebiet. Gründungsmütter der Talisman Schule nahmen sich dieser neuen Herausforderung an. Tatjana Kokina und Valentina Livindina waren unter anderen massgebend an der Dorfbegründung beteiligt. Valentina hat heute die Leitung inne. Tatjana Kokina hat neu eine übergeordnete Aufgabe in der Heilpädagogik und Sozialtherapie – auch die Koordination ist wichtig, nicht zuletzt auch im Erscheinen nach aussen.

Heute soll auch hier gefeiert werden. Das Dorfgelände ist bestens geeignet für solche Feste. Umrahmt von schönster Natur, von Birkenwäldern wie aus dem Märchenbuch. Reine Luft im Gegensatz zur Stadt mit dem überbordenden Strassenverkehr. Die Kinder, aber auch die Erwachsenen, geniessen den Tag im Dorf. Es wird gespielt und herumgetollt. Darbietungen stehen an. Jede Klasse hat ein Stück eingeübt. Die selbst geschneiderten Kostüme werden mit viel Stolz präsentiert. Der Auftritt findet in der ehemaligen Kaserne statt, wo bis vor wenigen Jahren die Soldaten dicht gedrängt und in einfachsten Verhältnissen schliefen.

Ein Stück bleibt mir besonders gut in Erinnerung. Es war an Michaeli. Die Handlung spielte von Ermak (Jermak) Timofejewitsch, einem Nationalhelden. Er zog 1581 mit 800 Kosaken vom Ural Richtung Sibirien, um das geheimnisvolle Land dem Reich einzuverleiben. Andrej, damals in der 8. Klasse, spielt die Hauptrolle des Ermak. Und wie er das tat – ganz in seinem Element in Montur und mit dem Schwert! Texte, die vorher einstudiert wurden, ergänzte er mit Phrasen, die nach seinem Empfinden unbedingt zu seiner Rolle gehörten. Das Publikum applaudierte, war begeistert. Ermak in seinem Element riss alle mit. Andrej ist ein Talent auf der Bühne. Ein andermal spielte er einen Popen. Gegensätzlicher könnten die Rollen nicht sein. Das Bild von Andrej in der Popenrolle sagte viel mehr als alle Worte.

Als Geschenk zu Weihnachten für Schüler, Eltern und Interessierte bereitet sich auch das Lehrerkollegium auf einen Auftritt vor. Sie üben das Dreikönigsspiel ein. Auch hier entpuppen sich neue Talente. Da ist wieder Natalja Kulakowa, Werklehrerin und Masseurin in der Schule, im Dorf Istok übt sie ihren angestammten Beruf als Veterinärin aus. Im Dreikönigsspiel übernimmt sie die Rolle des Mohren Kaspar. Und da sind weitere begabte Aktrissen, Larissa Beleewa als Melchior, Marina Romanowa als Balthasar.

Ausblick

Im ganzen Geschehen um Talisman und Istok und auch den anderen Initiativen kommt mir oft ein Gedanke: Auch Dank der Unterstützung aus dem Westen konnten sich die Initiativen entwickeln. Auf der anderen Seite habe ich auch das Gefühl, dass hier etwas Neues entsteht – aus einem ganz anderen Umfeld heraus als im Westen. Es zeigt auch, dass mit bescheidenen Mitteln viel erreicht werden kann. Was vom Westen kam, kann in einer veränderten Form, als neuer Impuls, dem Westen wieder zugute kommen.

Wer steckt im Westen noch hinter dieser Arbeit? Unsere Gruppe zählt sechs aktive Mitglieder, weitere kommen sporadisch dazu. Da ist Stefan Bohl, Heilpädagoge in Freiburg, Jörg Göttlicher in Karlsruhe, Wissenschaftler, Ralf Hellbart in Unterlengenhardt, er pflegt unsere Webseiten im Internet, Hans Gammeter, Sozialtherapeut aus der Schweiz, Gerhard Jaschok, Heilpädagoge in Dornach. Über mich haben Sie inzwischen einiges erfahren. Nur eine aktive und wirkungsvolle Zusammenarbeit in diesem Gremium ermöglicht den Einsatz in Sibirien. Noch weitere Menschen und Institutionen müssten erwähnt werden. Menschen, welche die Arbeit begleiten, unterstützen. Institutionen, welche seit Jahren das gemeinsame Wirken ermöglichen.

Übrigens, wir suchen Menschen, welche aktiv mitwirken möchten. Frauen wären in unserem Männergremium eine wünschenswerte Ergänzung. Besuchen Sie uns in Sibirien! Wie Sie erfahren konnten, sind wir im Reisen nicht ungewohnt. Wir beraten Sie gerne und sind Ihnen behilflich.

Was nun? Wo stehen wir nach 15 Jahren gemeinsamer Tätigkeit? Persönlich habe ich inzwischen das 74. Altersjahr erreicht. Ein bewegtes Leben, welches die Zeit rasant vorbeiziehen lässt. Spannend, herausfordernd. Ich bin dankbar für diese Lebenserfahrung. Über den Stand der Arbeit möchte ich andere zu Worte kommen lassen. Im Jahresbericht kommen immer Leute von Talisman und Istok mit ihren lebhaften Beiträgen zum Zug. Falls Sie in unserem Adressverzeichnis aufgenommen werden möchten, melden sie sich bitte. Wir senden Ihnen gerne einen Jahresbericht zu.

In Zusammenarbeit mit zwei Stiftungen, begleite ich weitere Initiativen und Projekte, die gerade aktuell sind. Diese Tätigkeit geht über Talisman und Istok hinaus – eine Folge der Zeit. Erwähnen möchte ich Talovka bei Ulan Ude. Hier ist durch Talisman die Heilpädagogische Schule Raduga (Regenbogen) und eine Dorfgemeinschaft entstanden. Eine bewundernswerte Arbeitsgemeinschaft. Ferner sind Bakanaj und Nikolsk, zwei Aussenstationen einer grossen staatlichen Einrichtung zu erwähnen. Hier treten wir aus dem üblichen Wirkungskreis heraus. Auch die Initiative in Kudareika, die Familie Tuschilin mit ihrer biodynamischen Landwirtschaft, möchte ich hier aufführen. Zaretschnaja, das andere Dorf „Am Fluss“ mit dem jungen Leiterehepaar Tatjana und Viktor gehört auch in den erweiterten Wirkungskreis. Und ebenfalls nicht unerwähnt bleiben darf natürlich das Seminar „Zentrum Maria“ mit seiner zentralen Aufgabe im ganzen Geschehen.

Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, möchte ich herzlich danken für Ihr Interesse an unserer Arbeit in Sibirien!

=> Mit freundlicher Genehmigung der "Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners" <=


Peter Marti ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft "West"

=> Die Mitglieder dieser AG stellen sich hier vor <=

=> In Englisch: Peter Marti: Why just Siberia ? <=

=>Russisch <=





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