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Ralf am 28.09.2007 15:14:05


Ideen für ein Praktikum hatte ich viele, Länder zur Auswahl ebenfalls. Warum ich mich trotzdem für die Talisman Einrichtung in Sibirien entschied, konnte ich nie so genau erklären. Heute weiß ich aber, dass es die richtige Entscheidung war! Mich reizte sowohl die Aussicht russisch zu lernen, Sibirien als Land zu entdecken, als auch die Arbeit mit Behinderten. Inzwischen ist mein Jahr dort verstrichen und ich befinde mich auf einer Reise durch Asien, aber immer noch habe ich fürchterliches Heimweh nach Istok und kann es kaum erwarten, im Januar wieder dort zu sein, wenn auch nur für zwei Monate.

Wenn ich an den Anfang zurückdenke, meine Träume und Vorstellungen, so stelle ich fest, dass sich davon das wenigste erfüllt hat, Praktikantin im westlichen Sinne bin ich nicht geworden, aber dafür wurde ich viel reicher beschenkt, ich fand für einen kurzen Zeitraum meinen Platz auf der Welt, Freunde, eine zweite Familie, eine vielseitige Arbeit und die Liebe zu dem kleinen Fleckchen Erde in der Nähe des Baikal, der Dorfgemeinschaft Istok.

Viel mitzubringen hatte ich eigentlich nicht - außer ein bisschen Erfahrung aus dem praktischen Unterricht an der Waldorfschule und vom Demeterhof meiner Eltern, sowie viel Enthusiasmus. Vor allem letzteres war immer sehr nötig, allzu oft gab es Situationen die aussichtslos erschienen und es dauerte eine Weile, bis ich mich teilweise an die russische Mentalität gewöhnte. Vielleicht war dies anfangs auch die größte Schwierigkeit für mich als Europäerin, das völlig andere Verständnis von Zusammenarbeit in Russland.

Zum Beispiel kennt man Konferenzen dort eher als einen Platz zum Auszutauschen und lautstark, sowie emotional zu Streiten, um sich danach wieder zu vertragen. Eine Arbeit mit Planung, Durchführung und vor allem Selbstreflexion ist meist nur ansatzweise vorhanden. Es war ein harter Prozess für uns alle als Team, für die russische Seite galt es plötzlich konkreter zu planen, für die Schweizer Volontärin Aurelia, und mich hieß es, sich auf mehr Spontaneität und Tatkraft einzulassen. Je mehr wir uns aneinander annäherten, desto schöner war ersichtlich, wie viel Neues aus dem Zusammenkommen zweier so unterschiedlicher Kulturen stattfinden kann!

Für mich persönlich bestand eine große Herausforderung auch in der Verantwortung und Selbstbestimmtheit die einem als junger Mensch in Istok gegeben wird. Als frischgebackener Abiturient eine gesamte Werkstatt, sowie oft das tägliche Gruppenleben anvertraut zu bekommen, ist sicher selten, aber dafür hat man auch nirgends sonst eine so große Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln und neue Stärken herauszufinden. Auch wenn ich manchmal überfordert war, habe ich die kleine Gruppe in der Holzwerkstatt immer mehr als meine Familie empfunden.

So hatten wir auch viel Spaß zusammen und wenn es doch mal kriselte, dann galt die Devise: Raus an die frische Luft und einmal um das Haus rennen, dann sehen wir weiter. So kam es immer wieder vor, dass wir zu zweit oder zu dritt mit großen Sprüngen draußen herumhüpften und so viel lachten, dass wir uns meist gar nicht mehr erinnern konnten, warum es ein Problem gegeben hatte. Diese Idee entstand übrigens zusammen mit Aljoscha, nachdem wir beide einmal einen größeren Zusammenstoß hatten, er brachte diesen Vorschlag, der sich eigentlich immer bewährte.

Wie auch schon in früheren Berichten erwähnt wird gibt es fast jeden Tag größere und kleinere technische Unfälle. So waren wir im Januar etwa drei Wochen ohne Strom - allerdings war das gar nicht so schlimm wie wir erst dachten. Als Trostpflaster gab es jeden Tag Banja und wenn jemand einmal erleben möchte, wie er erhitzt in die winterliche Kälte kommt, innerhalb weniger Sekunden die Haare zu Eis gefrieren und bei jeder Bewegung wie Glöckchen klirren, dann sollte er unbedingt in dieser Zeit der Dorfgemeinschaft einen Besuch abstatten. In Sibirien gibt es wohl nichts Schöneres als die klaren Winternächte!

Bei allen anderen Zwischenfällen lässt man den Europäer schnell hinter sich und denkt gar nicht mehr daran, irgendeinen Reparateur zu rufen. Selbst wenn es das gäbe, ist man selber viel schneller und qualitativ auch hochwertiger. Zum Glück helfen auch immer alle zusammen und der Mitarbeiter Nikolaj Tamilin kennt fast nichts schöneres, als uns Mädchen zu helfen oder etwas zu erklären!

Ja, das ist in Istok etwas ganz Besonderes: die enge Gemeinschaft unter den Mitarbeitern, in der man sich gegenseitig hilft und auch seine persönlichen Probleme miteinander teilt. Dies kann auch manchmal eine Belastung sein, wenn man immer bei irgendwelchen Problemen gefragt wird und plötzlich mit wenig Lebenserfahrung ein ganzes Projekt mitorganisieren soll oder sich gar in die Familienproblematik anderer mit reinhängt.

Andererseits entstand für mich auf diese Weise eine ganz enge Freundschaft mit der Mitarbeiterin Ludmilla, bei deren Tochter ich nun Patentante sein darf. Dass ich dafür auch noch einmal in der Orthodoxen Kirche auf einen russischen Namen getauft wurde, sei nur am Rande erwähnt. Die Feier danach war wieder einmal typisch für Sibirien! Egal wie einfach das Leben sonst auch sein mag - an solchen Tagen müssen sich die Tische biegen!

Ansonsten kam das kulturelle Leben in diesem arbeitsamen Jahr manchmal zu kurz, die wenigen Glanzlichter strahlten dafür umso heller: ein gelungenes Dreikönigsspiel, eine öffentliche Eurythmieaufführung auf hohem Niveau, bei der sich besonders unsere "Jungs" hervortaten, ein internationales Workcamp im Sommer mit festlichen Abenden, ein Kurs im Herstellen von traditionellen Puppen sowie das gemeinsame Lesen des Märchens "Momo" von Michael Ende.

Die Öffentlichkeitsarbeit war besonders erfolgreich, sie reichte von Ausstellungen über Jahrmärkte, einem Auftritt während des Stadttages in Irkutsk bis zu Projekten mit Studenten aus der Stadt und einem Buffet während der Tagung des IPMT in Irkutsk bei der Produkte aus der Landwirtschaft sowie der Küche mit großem Anklang verkauft wurden. In den zukünftigen Jahren soll dieses Angebot noch weiter ausgebaut werden.

Zum ersten Mal haben wir so viele Tiere, dass die Produktion den Eigenbedarf übersteigt. Allerdings bringt das auch so seine Probleme mit sich, so bleibt zum Beispiel die Frage, was die Kuh im Gemüsefeld macht, dass wir dieses Jahr mit einer interessierten Gruppe an Hobbybiodynamikern aus Irkutsk bewirtschaften. Die Aufregung war bei allen groß - jeder kam herbeigestürzt, um Treiben zu helfen, wer and diesem Tag gehütet hat will ich nicht verraten. Anfügen lässt sich noch, dass gerade Pilzsaison ist und wenn ein Russe Pilze sieht...

Nun heißt es für mich warten bis Januar 08, dann werden Aurelia und ich noch einmal für zwei Monate im Dorf sein, bevor es endgültig ans Abschiedsagen geht. Fest steht, dass wir unsere Zukunft ein bisschen umplanen müssen: neben Studium und anderen Aktivitäten muss regelmäßig Zeit bleiben für einen Besuch in unserer Wahlheimat. Schon jetzt sind weitere Projekte geplant, die einen größeren Austausch zwischen jungen Menschen aus Ost und West ermöglichen wollen. Das ist auch wieder so ein typisch russischer Wesenszug der mir ans Herz gewachsen ist: Jeden Tag ist wieder aufs Neue alles offen und möglich und aus einer idealistischen Idee kann morgen schon etwas entstanden sein!

Doswidanja!!!!



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