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Ralf am 04.08.2007 13:04:37

Bild: Baikalsee-Stimmung


„Eine Zigarette verkürzt das Leben um eine Stunde, ein Glas Wodka um 10 Minuten; einmal zur Arbeit gehen um 8 Stunden!“ Russen lieben Anekdoten, wie sie Realsatire nennen. Und sie lieben es nicht, zu arbeiten, wie sie selbst meinen. Trifft jedoch letzteres Vorurteil nicht zu, kann sehr Konstruktives entstehen.

Manchmal scheint es, als wären die Menschen je weiter östlich, desto mehr mit ihrem Herz bei der Arbeit. Auf die Suche gemacht, traf ich im Osten Sibiriens auf eine kleine Gruppe aktiver Menschen, deren Arbeit sich als ein Vorbild über ganz Russland erhebt: Ein soziales Dorf gibt behinderten Menschen die Möglichkeit, zu leben. Lebenswert zu leben. Hier beschloss ich, meinen Zivildienst anzutreten.

Der erste Kontakt mit der östlichen Kultur rührte direkt aus dem Rottweiler Stadtzentrum: Die Bürgerinitiative für eine Welt ohne atomare Bedrohung lud mich zu einer Fahrt nach Minsk ein. Seither lässt mich das Leben jenseits der neuen EU-Ostgrenze nicht mehr los. Seither nehme ich an den regen Austausch zwischen Rottweil und Minsk teil. Der Weg nach Sibirien war lang und hart. Endlich dann erreichte ich Irkutsk, das blühende Zentrum Ostsibiriens. Die von Händlern und adligen Aufständischen in Verbannung geprägte Stadt liegt unweit der Perle Sibiriens: Dem Baikalsee.

Eingebettet in diese herrliche Umgebung kämpfen emsige Mütter für ihre Kinder: Von klein auf behindert wurden sie schon früh an den Rand der Gesellschaft geschoben. Heilpädagogische Impulse aus dem Westen aus der anthroposophischen Bewegung halfen bei der Verwirklichung des Traumes, ehe das erste Dorfprojekt seiner Art entstehen konnte: Jugendliche und Erwachsene, die alleine den Alltag nicht bewältigen könnten, leben gemeinsam und tragen nach ihren Fähigkeiten zum Dorfleben bei.

Während der Arbeitszeiten wird in der Keramikwerkstatt getöpfert, in der Holzwerkstatt gesägt und geschliffen und surrt in der Stoffwerkstatt das Schiffchen durch den Webstuhl. Der große Garten lockt im Frühling zur Einsaat. Um integrativ zu sein, wird um die Toleranz Behinderter geworben, im nächstem Jahr soll dort gar ein internationales Jugendcamp stattfinden.

Doch zu märchenhaft klingt es, würde alles wie am Schnürchen klappen. Die sibirische Lebensrealität ist Raueres gewöhnt. Wenn im Winter die Temperaturen auf die –40° zugehen, gefriert so mancher Diesel im Tank, fehlt im richtigen Moment der richtige Rat oder die lebenswichtige Wasserpumpe versagt ihren Dienst.

Alles Kleinigkeiten, an die man sich nur gewöhnen muss. Für eines deutschen Seele folgt das völlige Unverständnis, wieso man in solchen Notfällen nicht den Service rufen kann, weshalb es nicht so klappt, wie es vorgesehen ist. Man staunt nicht schlecht, wenn ein sibirischer Dorfbewohner aus dem unmöglichen das best mögliche improvisiert.

Nicht selten stand ich vor diesen zauberhaften Momenten, in denen bei uns manch einer überfordert aufgegeben hätte, da begann hier erst richtig die Problemlösung.

Ein Jahr Zivildienst in Sibirien, das heißt nicht nur lernen, dass man im deutschen Winter mehr friert, als in Sibirien, dass mit Warten schon viele Probleme ausgestanden wurden, man lernt auch eine völlig andere Wertschätzung kennen, als wir es gewohnt sind. Als Westler war ich plötzlich der einzige, der melken kann. Stall und Tierhaltung wurde mir aufgetragen, es folgten die Holzwerkstatt und schließlich auch Büroarbeit und ein neues Projekt.

Aus Birkenrinde werden in kunsthandwerklicher Feinarbeit traditionelle Döschen für Tee hergestellt. Eigeninitiative erfordert das Leben am Baikal. Doch dann wird es zu einem einmaligem Abenteuer, dessen Tiefe erst dadurch zur Geltung kommt, weil man mit den Naturgewalten gemeinsam lebt und sich diese tagtäglich in ihrer gewaltigen Schönheit darbieten. Zum Beispiel beim Sonnenaufgang: Im Osten geht die Sonne auf. Das durfte ich in Sibirien lernen. Daher steht schon jetzt fest: Ich folge im Herbst erneut der Sonne. In den Osten.

Dieser Bericht erschien in der "Neuen Rottweiler Zeitung"

=> Bericht aus dem Waldorf-Forum (PDF) <=
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