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Ralf am 07.09.2007 09:44:52


Es gibt Tage ...
... die möchte man am liebsten gleich wieder vergessen!

Früh morgens weckte mich Luda mit der Ankündigung, dass ich heute allein sein werde, sie müsse mit ihrer Tochter zum Arzt und Valentina hat dringend in der Stadt zu tun. Ich habe Mühe wach zu werden, wir haben gestern natürlich wieder viel zu lange geredet, es kommt mir vor, als hätte ich nur zwei Stunden geschlafen. Luda schaut mitleidig, aber ich bin schon wieder zuversichtlich, wegen dem Wassermangel sind wir ja nur eine kleine Gruppe von sieben Leuten, es kann losgehen.

Netterweise geht Nastja in den Stall zum Melken und ich kann mich ums Frühstück kümmern, es ist schon spät genug. Milch aufgewärmt Hirse dazu, Kyrill ist schon wach und rumort in seinem Zimmer. Bis ich nachschauen gehe ist es zu spät, er hat in der Nacht zum wiederholten Male mit seinem Stuhlgang sich und die Wände im Zimmer beschmiert und ist zudem in denkbar schlechtem Zustand. Brüllend folgt er mir in die Dusche, ich versuche gleichzeitig ihn zu waschen und nach dem Kascha zu schauen, das kurz vorm Überkochen ist, Slawa zum Zähneputzen zu bewegen und Marina aufzuwecken. Irgendwie gelingt es, aber das Kascha ist angebrannt. Während dem Frühstück packe ich den Rucksack für Marina und Slawa, die Kühe hüten gehen, als mir schon Kyrills Teller um die Ohren fliegt. Scherben, Schmutz, Chaos und Marina hat starke Kopfschmerzen, kann also nicht nach draußen.

Ich schaffe es Kolya zu überreden mit Slawa zu gehen und atme auf als sie weg sind. Kyrill ist in einem Zimmer verschwunden und scheint dort alles umzuräumen, was soll’s, ich muss mich ums Aufräumen kümmern, Marina geht wenigstens in den Schweinestall zum Misten. Ich bin gerade dabei Kyrills Zimmer zu schrubben und Nastja zu beruhigen, die mal wieder Selbstmordgedanken hat, als ich lautes Hundegebell höre. Die große Sau ist Marina ausgebüxt und rennt in Panik herum, verfolgt von unseren beiden Wachhunden, die der Jagdtrieb gepackt hat. Zum Glück kennen mich die Beiden gut, aber es dauert trotzdem bis ich sie zu mir bringe. Dem Schwein ist zum Glück nichts passiert, aber es ist so verängstigt, dass es den Weg in den Stall erst nach einer Weile findet. Bis ich wieder im Haus bin hat Kyrill den Essraum völlig umgeräumt und geht erst einmal aggressiv auf jeden los, auch die Tabletten die ich ihm gebe helfen nicht viel und ich bringe ihn in sein Zimmer. An solchen Tagen ist nur intensive Einzelbetreuung hilfreich, wobei er den ganzen Tag von den anderen abgesondert bleibt und von einer Person versorgt wird. Das kann sehr schön sein, wenn man für ihn Musik macht, ihm Geschichten erzählt, ihn füttert und so selber auch ruhig werden kann, aber heute ist das fast nicht zu schaffen. Immerhin beruhigt er sich soweit, dass ich den Hausputz erledigen kann, wobei ich nicht verstehe wo der ganze Schmutz herkommt, den wir jeden Morgen aufwischen. Nastja ist mal wieder auf dem Höhepunkt ihrer Hysterie angelangt und schafft es kaum den Abwasch zu erledigen. Als sie endlich in den Stall geht atme ich auf.

Vor dem Haus sieht es aus als hätte eine Bombe eingeschlagen, alles liegt verstreut und Dworian hilft fleißig mit indem er an allen erreichbaren Schuhen herumnagt. Da hilft nichts als mit dem Sortieren und Aufräumen anzufangen, mir fällt ein, dass ich heute auch noch unbedingt Präparate rühren und spritzen muss, wir haben gestern damit angefangen, heute ist der zweite Tag dafür, nur wann weiß ich absolut nicht! Als ich aufschaue steht im Westen eine zarte Rauchfahne, ich prüfe den Wind, er kommt aus dieser Richtung. Sollte es etwa wieder einen Waldbrand geben während ich alleine im Dorf bin? Wir haben zwar gerodet und Gegenfeuer gelegt, aber ob das ausreicht? Und ohne Traktor bringt mir auch der Löschwagen wenig, der ist aber gerade in Turskaja, Nikolaj will heute Abend Wasser bringen, es gibt fast keines mehr.

Wie soll man bitte Putzen wenn alle fünf Minuten das Telefon klingelt, jedes Mal wegen einem anderen dringenden Grund den man für später im Kopf behalten muss? Irgendwie geht es und ich flüchte so schnell wie möglich mit Kyrill ins Freie. Der morgendliche Kontrollgang zu den beiden Ställen und der Hütetruppe lässt sich gut mit einem Spaziergang verbinden. Wenigstens hier läuft alles gut, da die großen Tiere schon ganz draußen leben hat Nastja nicht viel zu tun und scheint auch wieder ein bisschen ruhiger zu sein. Kyrill unterhält mich während dem Laufen pausenlos, unbeabsichtigt sind es oft sehr witzige oder verdrehte Sachen, er scheint schon viel ruhiger zu sein als heute Morgen, ich atme auf.

Die Rauchwolke bleibt zum Glück auf Abstand und ich quäle mich in die Küche. Das Essen zubereiten ist wirklich nicht meine Sache, vor allem für mehr als zwei Leute… Anscheinend ist es nicht allzu schlimm geworden, immerhin kommt alles weg, hauptsächlich Dank Kyrill, der gleich drei Teller verputzt.

Danach legen sich alle ein bisschen hin und ich nutze die Zeit um im Gewächshaus zu arbeiten, auch hier ist es etwas chaotisch, aber die viele Arbeit hat sich gelohnt, wir können schon mit dem Pikieren anfangen. Die Arbeit im Garten macht mir viel Spaß und hilft mir für heute ruhiger zu werden, nicht wie gehetzt von einer Ecke zur anderen zu rennen. Lange hält es aber nicht an, Kyrills Gebrüll bringt mich auf die Beine, er hat es geschafft sein Fenster zu öffnen und schmeißt Kleider und Bücher hinaus, schon zum zweiten mal heute über und über mit Exkrementen beschmiert. Der nächste Waschgang steht also an, er liebt das Duschen so sehr, dass ich manchmal das Gefühl habe er benimmt sich nur so daneben um wieder unter die Dusche zu können.

Endlich kommt Luda zurück, allerdings sehr traurig, ihre beiden älteren Kinder leben immer in Turskaja und gehen nicht zur Schule, wenn die Eltern nicht da sind. Es ist eine problematische Situation, ohne Luda und Kolja würde im Dorf nichts weitergehen, aber während sie sich um fremde Kinder kümmern sind ihre eigenen alleine und treiben sich herum. Eine Lösung finden wir erst einmal nicht, wir müssen noch mit Valentina und Tatjana sprechen.

Der Tag wird nicht unbedingt viel besser, aber ich bin nun wenigstens nicht mehr allein, Luda ist hier für mich eine richtig gute Freundin geworden mit der ich über alles reden kann. Komischerweise konnten wir uns auch schon auf Russisch austauschen als ich bei anderen noch nichts verstanden habe, manchmal liegt es einfach an mehr als an ein paar Vokabeln. Aber die übt sie auch mit mir, abends, egal wie müde wir sind versuchen wir noch ein bisschen zu lernen, sie deutsch, ich russisch. Ich hoffe sehr, dass sie mich einmal in Deutschland besuchen kommt.

Die Präparate schaffen wir auch noch und die Zubereitung des Abendessens treten wir an Wolodja ab, er kommt aus Usbekistan und versteht es besser als alle anderen Reis zuzubereiten, scharf und mit viel Knoblauch. Spät abends gibt es noch einen Krach mit unserem kleinen Kolja, der sich seit einem Monat weigert in die Schule zu gehen und sein Leben nicht in den Griff bekommt. Aber nun reicht es endgültig, ich gehe schlafen!

Schon im Bett lasse ich den Tag noch einmal an mir vorüberziehen, er gleicht vielen anderen zuvor, aber es gab auch schon bessere, in denen es ruhiger war, nicht so viele Zwischenfälle gab. Ich hoffe, dass morgen mal wieder so ein Tag sein wird!

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